Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Rückblick auf die Zustände der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2829132-2829332-2829341-2862270--10048-2862293- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
282 Rückblick äuf Zustände und Ereignisse der Juden , ״Geehrter Herr! Weit entfernt, Ihnen zu grollen wegen des Briefes, den Sie an mich gerichtet haben, um meine Aufmerksamkeit auf die moralischen Bedürfnisse der israelitischen Bevölkerung Algeriens zu lenken, fühle ich mich vielmehr sehr geehrt durch den Beweis des Vertrauens, das ein Mann von Ihren Verdiensten in mich •setzt, wie durch den Antheil, den Sie mir an der schönen Aufgabe, die Sie sich gestellt haben, gönnen wollen. Die Menschen in ihren eigenen Augen heben, die Grundlehren wahrer Sittlichkeit unter ihnen verbreiten, sie trösten und sie in ihren Krankheiten heilen, heisst nicht nur ein frommes Werk thun, sondern auch der politischen Verwaltung einen Dienst leisten. In der Ferne, wie in der Nähe werde ich mich glücklich schätzen, an einem solchen Werke mitzuwirken. Aber ich besitze bei Weitem nicht den Einfluss, den Sie mir Zutrauen, ja nicht einmal mehr den geringen An theil an der Verwaltung, den ich besass, hevor eine Cabinetsordre mich zu einem Amte berufen hat, von dem ich nur den Titel führe. Ich weiss nicht, ob es mir gestattet sein wird, mich ganz zurückzuziehen, so wie es mein Wunsch ist; allein wie dem auch sein mag, halten Sie sich überzeugt, dass ich es mir zur Ehre rechne, mit Ihnen bekannt geworden zu sein, und ich werde mich glücklich schätzen, wenn ich an dem guten Werke, das Sie auszuführen streben, mit wirken kann." ״Ich bin noch nicht im Besitze der Ordre, von der Sie gesprochen, vielleicht befindet sie sich auf dem Staatsschiffe, das noch nicht angelangt ist. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass ich über die Ausführung derselben mit der grössten Sorgfalt wachen werde. Ich halte dies für den edelsten und schönsten Theil der mir gewordenen Aufgabe, und werde ihn gern und freudig erfüllen, weil es im Interesse Frankreichs, der algerischen Colonie, der Moral und Humanität liegt. Aber, um offen mit Ihnen, sehr geehrter Herr, zn reden, ich zweifle, dass diese Ehre mir aufbewahrt ist. Ich bin mehr als müde von dem traurigen Schauspiel, bei welchem ich mitwirke;