Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Über den frühzeitigen Gebrauch der indischen Ziffern bei den Juden
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 2)
- Language
- German
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der indischen ZiflferM bei ilert Jaden. 203 einer׳ kleinen Probe der vergleichenden Mathematik* wo Semiten und Arier sich freundlich begegnen, den Versuch machen, Bekanntlich haken die Erfinder der söge nannten arabischen Ziffern der menschlichen Erkenntnis* einen beinahe eben so grossen Dienst geleistet, wie die Erfinder des Lautalphabets. Neuere Forschungen haben bis zur Evidenz dargethan* dass unser heutiges so einfaches und darum so elegantes Zahlen* System unter der indischen Sonne von indischen Denkern ge* schaffen wurde. Wie weit es die Indier, die von jeher einen grossen Geschmack an Spielen mit Zahlengrössen fanden und gern in Millionen schwelgten* in der Arithmetik, die sie bis zu einer seltenen Hohe cultivirten, brachten, lässt sich am Besten aus folgendem interessanten Beispiele ersehen* Wöpke macht uns in seinem bereits früher erwähnten Memoire sur la Propa* gation des Ghiffres Indiens (Ausland 1864, No. 9), auf ein Stück buddhistischer Literatur aus dem Lalitäkistara aufmerksamwelches Enthüllungen bringt auf welche schwerlich irgend ein Leser gefasst sein dürfte. In einer alten Legende, heisst es da* selbst, wird erzählt, dass Buddah, als er sich verheiratben wollte* vor seinem gelehrten Schwiegervater ein Examen in verschiedenen Fächern und unter andern in der Mathematik be* stehen und sich dabei mit dem grossen Rechenmeister Ardschuna messen sollte. Dieser fragte ihn nach den Namen der Zahlengrössen über hundert Koti. In einem Sanhita des Yadschurvedä werden schon Namen für Grossen bis zu einer Billion aufge* führt, iin Mahabharata kommen Namen vor, die bis den Tausend-Billionen hinaufreichen, und in dem andern epischen Gedichte der Inder, dem Ramayana findet sich ebenfalls eine Zifferleiter, die in schwindelhafte Höhen führt. Zu, Buddah’s Zeiten war Koti der Ausdruck für eine Milliarde (— IO9)* der junge Heirathscandidat aber zählte vom Koti aufwärts bis zum Tallakschana, einer Zahlengrösse (IO53) die mit 53 Nullen geschrieben wird, Buddah fügt dann hinzu, dass diese Grössenscala nur ein Ganzes bilde, die Tallakschana-Zählung, dass ailf diese noch 5 oder 6 andere Scalen folgten, so dass man bei gleichem Umfang dieser Scalen mit der Tallakschana Grössen würde aussprechen können, die mit 421 Nullen geschrieben werden müssten. ArdSchuna, als besonnener Mann, hatte an diesem Muster von Rechenkunst seines Zöglings genug, und