Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 13)
- Language
- German
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in Frankreich, Italien, dem Orient u. d, Nordküste Äfrica’s. *253 war in Constantine, das, wie bereits erwähnt, kaum sechs oder sieben Jahre französisch war, Alles arabisch. Eine jüdische Bevölkerung von viertausend Seelen, die in heständigem Verkehr mit ihren Glaubengenossen in der Wüste und in Kabylien lebte, bot rnir ein weites Feld für meine Studien, und mehrere Ceremonien aller Art, Beschneidun gen, Hochzeiten, Leichenbegängnisse, denen ich beiwohnte, zeigten mir das arabisch-jüdische Leben unter allen Gesichtspunkten. Der Charakter dieser Juden, der sich nur äusserst wenig von dem der andern Eingeboreneu unterscheidet, hat etwas Zäheres und Widerstandsiahigeres, als in den andern Provinzen. Nichtsdestoweniger glaubte ich, dass eine gute Organisation und gut geleitete Schulen, die vorzugsweise das religiöse Element pflegten, dessen Einfluss auf diese heissblütigen Naturen ja so gross ist, die besten Mittel seien, um auch unsere Glaubensbruder dieser Gegenden auf denselben Weg zu leiten, den sie in den andern Provinzen bereits betreten hatten. In diesem Sinne hielt ich Reden an sie sowohl in den Synagogen, deren es damals drei gab, mit Einschluss einer algerischen, die sich schon hinsichtlich der Ordnung und gewisser äusserer Formen den unsrigen näherte, wie bei feierlichen Gelegenheiten und in Privatzusammenkünften mit den vornehmsten Einwohnern, die mich häufig aufsuchten, um sich von der Lage ihrer Glaubensgenossen in Europa und besonders in Frankreich erzählen zu lassen. Der Capitän Carette, später Präfect dieser Provinz und gegenwärtig, wenn ich mich nicht irre, Oberst beim Geniecorps, befand sich damals mit Herrn Ferdinand Barrot in Constantine. Da ich schon von Paris aus mit ihm bekannt war, unterstützte er mich auf das Freundliebste in allen Massregeln, welche die Verbesserung der Lage unserer Glaubensgenossen bezweckten, und Hess sich hierbei von einem äusserst freisinnigen Geiste leiten, wie er ihn auch in seinen zahlreichen gelehrten Schriften über Algerien bekundet hat. Die Herren Carette und Varnier repräsenfcirten in der wissenschaftlichen Commission das civilisatorische Element, welches bestimmt war, ganz Algier zu erobern durch die Besitzergreifung von