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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1866-01-01 · Heft 6 · p. Seite 215

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
15 (1866)
Issue
Heft 6
Article
Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
Date
1866-01-01
Page
Seite 215 (sequence 15)
Language
German
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in Frankreich, Italien, dem Orient u. d. Nordküste Africa’s. 215 Herr von Rothschild antwortete alsbald folgenderniassen: ״Frau Yicomtesse! Es würde mir wahrlich schwer fallen, mich nicht zu erinnern, dass ich seit zwanzig Jahren die Ehre habe, Sie zu kennen und zu schätzen; daher bedürfen Sie niemals, mag die Mittheilung, mit der Sie mich beehren, wichtig oder unwichtig sein, vieler Umschweife: einen Brief von Ihnen werde ich stets gern an nehmen. Ihr jüngstes Schreiben hat für mich um so grösseres Interesse, da es eine Angelegenheit bespricht, über die ich Ihnen sehr gepn meine wahre Meinung auseinandersetze, und da Sie so gütig sind, den Grundsätzen der Ehre und Gereehtig• keifc, die ich bei jeder Gelegenheit zur Grundlage meines Handelns zu machen bemüht bin, ein so schmeichelhaftes Zeugniss zu geben, so wollen Sie mir gütigst gestatten, auch heute nicht davon abzugehen, und Ihnen frei und offen zu erklären, was ich über das Verfahren denke, das der französische Consul in dem blutigen Drama eingeschlagen hat, dessen trauriges Andenken Sie wachrufen. — Ihre wahre Herzensgute wie Ihre aufrichtige Freundschaft für Ihren Herrn Vetter anerkenne ich recht gern, aber keineswegs theile ich Ihre Ansicht über sein Verhalten in dem unseligen Verfahren. Ein Consul, der von den muhammedanischen Behörden eine solche Antwort erhält, wie die, welche Sie mir mitgetheilt haben, und nicht Angesichts der ganzen Welt hiergegen feierlichst Protest erhebt, versündigt sich an seiner edelsten Pflicht; und solche Torturen mit ansehen, ohne sie durch officiellen, öffentlichen Tadel zu brandmarken, heisst: die heiligsten Gesetze der Humanität nicht verstehen. Ausserdem, gnädige Frau, ist keine gerichtliche Untersuchung zur Stütze der Anklage eingeleitet, kein Beweis geführt worden, dass die unglücklichen Opfer der Tortur, deren unschuldiges Blut um Gerechtigkeit schreit, wirklich die Schuldigen waren. Doch Ihr Herr Vetter mag sich heruhigen; was mich betrifft, so werde ich das, was Sie

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