Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 9)
- Language
- German
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in Frankreich, Italien, dem Orient u. d. Nordküste Africa*s. 209 einen englischen Advokaten und den Dr. Loewe mit. Am 15. Juli verliess . die kleine Gesellschaft Paris, begleitet von den Segenswünschen aller Guten, um in Egypten Gerechtigkeit und Genuglhuung für die Verletzung der heiligsten Menschenrechte zu erlangen. Zu jung, um an der Reise Theil zu nehmen, zumal da meine Thätigkeit dabei nicht in Anwendung kommen konnte, blieb ich in Paris, um alle eingehenden Nachrichten zu ordnen. Aller Orten, in Marseille wie in Livorno, waren unsere Glaubensgenossen in wahrer Aufregung, die vornehmen Pilger so zu empfangen, wie sie es verdienten, und ihnen Beweise der aufrichtigsten und herzlichsten Theilnahme zu geben. Die Briefe meines Freundes Munk sprechen sich hierüber sehr lebhaft aus, eben so wie sie später von Alexandrien aus dem Schmerze Ausdruck geben, dass Mehmed׳Ali, von dem Cabinet zu Paris beeinflusst, nie in die Revision des Processes willigen würde. Die französische Partei liess in Alexandrien die Frage nach der Bedeutung des Blutes und seiner Verwendung für das Pesachfest gänzlich fallen und wollte nur das Verbrechen des Meuchelmordes aufrecht halten. Aber ohne den ersten Theil der Anklage fiel das ganze Gerüst zusammen; man hatte bald die Ueberzeugung gewonnen, dass der Vicekönig, der in Folge des Juli-Vertrages seine ganze Gewalt preisgegeben hatte, nur leere Versprechungen geben könnte. Persönlich zeigten sich der französisehe Generalconsul Herr Cochelet und der Kanzler Herr Doulon sehr gefällig und versöhnlich; aus ihren Reden ging sogar hervor, dass sie die armen Angeklagten für unschuldig hielten, aber sie hatten officiell Befehl erhalten, Herrn Rattimenton und die Richtung, welche dieser traurige Process genommen, nicht aufzugeben. Herr Munk kaufte in dieser Zeit für die Manuscriptensammlung der Bibliothek Maimuni’s Commentar zur Rosch-haschanah und arabische Deraschoth von seinem Enkel R. David. Cremieux und Montefiore überzeugten sich bald, dass sie von Mehmed־Ali nie die Erlaubnis erlangen würden, eine Revision des sogenannten Processes von Damascus vornehmen zu lassen. Das französische Ministerium war seine