Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 5)
- Language
- German
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m Frankreich, Italien, dem Orient u. dr Nordküste Africa’s. 205 erbrechen verantwortlich, das vor drei Jahrhunderten von französischen Katholiken begangen worden? Auch ihr, französische Israeliten, ihr seid nicht mehr verantwörtlich für ein Verbrechen, das tausend Meilen von euch fanatische Juden begangen haben.u Trotz der geistreichen Antwort, die ihm gegeben wurde: ״Ihr habt einen Papst, durch den ihr Verzeihung erlangen könnt, wir hingegen nicht,a glaubte er jedes Missverständniss zwischen ihm und den Juden beseitigt zu haben; ganz eingenommen wie er war von den durch den Juli-Vertrag herbeigeführten Verwickelungen, der Frankreich und Egypten vollständig von der Türkei trennte, die ihrerseits wieder von England, Russland, Oesterreich und Preussen unterstützt wurde. Der Streit bewegte sich eben so sehr auf politischem wie auf religiösem Gebiete; Egypten, der Vicekönig und sein Pascha in Damascus konnten Frankreich und dem französischen Consul, die ihn allein den dauernden Besitz Syriens hoffen lassen konnten, Nichts verweigern; der französische Consul wollte oder konnte vielmehr in keinem Stücke nachgeben, weil das wie ein Sieg von Seiten der verbündeten Mächte ausgesehen haben würde. Unter diesen Umständen wurde die öffentliche Meinung in Europa heftig erregt. Die Juden aller Länder betrachteten diese Angelegenheit mit Recht als eine Ehrensache ihres Glaubens, und auch diejenigen, welche das Verbrechen einiger jüdischer Mörder bedauert haben würden, wenn man das Verschwinden des sardinischen Priesters als Meuchelmord betrachtet hätte, geriethen in Feuer und Flamme, als sie sahen, welche Wendung die Sache nahn^ und wie man die jüdische Religion besudeln wollte. Indem man die Juden in Damascus misshandelte, wollte man auch die europäischen Juden beschimpfen und ihre Stellung verschlimmern. Eine Anzahl Briefe, bisweilen anonym, oft aber auch von niedern Beamten der orientalischen Consulate unterzeichnet, wurden an reiche Israeliten in Europa gerichtet, um Geld von ihnen zu erpressen, indem sie behaupteten, sie seien mit den schreckliebsten Beweismitteln gegen die Juden versehen, deren Veröffentlichung ihre Vertreibung aus allen Ländern zur