Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 4)
- Language
- German
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204 Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden >xy1 acten durchzusehen, wie sie aus einer zweiten Untersuchung, von einem andern französischen Beamten, Namens Mesaizes, dem Nachfolger des während dieses traurigen Processes als Consul in Damascus weilenden Rattiin enton, an gestellt, hervorgegangen sind, inan nach d em Uriheil aller competenten Männer, Franzosen oder Aus-!ander, wofern es nur Europäer und dieser Angelegenheit Fernstehende sind, Nichts finden würde, was die Schuld der Juden, gegen die man so sehr gewüthet hatte, darthut. Aber, wie ehemals in Europa, so liebte es der Fanatismus der Christen Syriens eine Verleumdung zu verbreiten, die am Anfänge ihres Bestehens auch gegen sie vom Heidenthume erhoben worden war, und die nur hervorgerufen wird durch den blinden Hass, der Alles von Seiten derer, die er verabscheut, für möglich hält. Es handelte sich darum, die Juden dadurch zu erniedrigen, dass man die Stellung der Farcliis, der Arons, d. h. der Vermögendsten, Einflussreichsten und Bestsituirten der alten Judengemeinde zu Damascus compromittirte. Hatte man erst das Haupt niedergeschlagen, so konnte man die Juden allmälig verderben und fortjagen, besonders da man sich der Hoffnung hingab, das Jahr 1840 werde noch das Wiederaufblühen der christlichen Herrschaft in Syrien erblicken. Da der französische Consul, Herr von Rattimen ton, nicht arabisch sprach, so bediente er sich, wie die meisten politischen Beamten zu jener Zeit, eingeborener syrischer Christen als Dolmetscher; diese aber hatten nichts Wichtigeres zu tliun, als die Anklage wach zu erhalten und ihm die Juden in dem schrecklichsten Lichte erscheinen zu lassen. Wie die meisten Katholiken nur in der Ausübung seines Glaubens erzogen, kannte er weder die Bibel, noch die Juden und folgte daher lediglich dem Antriebe derer, die sein Vertrauen besassen. Haben wir nicht erst kürzlich einen berühmten Staatsmann und Geschichtsschreiber (Thiers) sich und die Juden mit folgenden Worten entschuldigen hören: ״Nun wohl, haben wir nicht die Bartholomäusnacht in Frankreich gehabt? Bin ich deshalb, weil ich Katholik hin, für ein