Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension] / H.
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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159 Recensiönen und Anzeigen. Verhältnisse und politischen Schicksale der 12 Stämme zur Kichterzeit der Stoff dieser Dichtung, der, ״künstlerisch bearbeitet, dem sterbenden Jacob in den Mund gelegt“ wird, dann wissen wir nicht, was dazu berechtigt, dieses Vaticinium ״das älteste Beispiel einer divinato rischen Dichtung“ zu nennen (S. 63)? Dann fehlt ihm ja die allererste Bedingung zum Prophetischen — die wahre Begeisterung, dann ist ja hier weiter nichts, als eine Darstellung der gegebenen historisch-geographischen Verhältnisse, die antedatirt dem Jacob untergeschoben wird, so ist ja Alles hier nur falsche Begeisterung, oder wir müssten dann auch beispielsweise den apokryphischen Esra prophetisch nennen! Aehnlich verhält es sich mit dem Schwanengesang Mosis (S. 66). Dass ferner der Psalm 2 ein prophetisch er sei, können wir eben so wenig zugeben. Es ist hier nichts Anderes, als jene in den Psalmen so oft wiederkehrende hoffnungsvolle Zuversicht auf Gott, dass seine Feinde und die des Königs zu Grunde gehen würden (vergl. Ps. 3; 27; 36; 91 u. a ). Auch wird eine einfache Exegese die in diesem Psalm vorkommenden Verba nicht als Futura, sondern als Präsentia fassen, wie es gleich der Eingangsvers, in welchem die Perfect- und Futurform abwechseln (ל(רגשו — יהגח klar beweist. Sollte aber doch der prophetische Charakter in der Voraussagung kommender Ereignisse zu suchen sein, was aber der Verf. selber mit Becht bestreitet, so gehört ein sehr grosser Theil der Psalmen zur prophetischen Gattung (vergl. 5, 6, 21, 22 u. a.). Als letzter Abschnitt erscheint (76) die gemeinsame Behandlung von weltlichen und religiösen Stoffen, in welchem die Naturpoesie die grösste Rolle spielt und wo wir eine grössere Berücksichtigung der didaktischen Poesie, die Religiöses und Weltliches in reichster Fülle darbietet, gewünscht hätten. Der Verfasser erwähnt sie blos mit einigen Worten. Der ״die Himmelsräume als Sphäre des Belebten“ überschriebene Schluss- Paragraph 33 behauptet, dass die Himmelskörper ״dem auf kindlichem Standpunkte befindlichen Beobachter schon um ihrer Bewegung als lebendige Wesen erscheinen.“ Dies muss hestritten werden, denn alle dafür angeführten Beispiele (zumal Hiob 38, 6; Jud. 5, 20) sind dichterischer Natur, und eine solche poetische Naturanschauung und -Belebung, solche dichterische Hyperbeln sind auch heutzutage in der Poesie nicht