Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Aphorismen über die biblischen Offenbarungs-Wunder
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829332-2829337-2861995--09843-2862035- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
146 יי Aphorismen sollen. Es sind dies Erscheinungen, Verkündigungen, Verheissungen, Zeichen, Bilder und Thaten der gotterfüllten Männer, die den grossen Beruf haben, die verkündeten und offenbarten Lehren und Wahrheiten der Menge eindringlich zuzuführen. Da zeigen sich auch Wunder, die zuweilen nur zur Beglaubigung der Männer und zur Bewahrheitung ihrer Worte geschehen mussten, und einen ganz andern Charakter als die Offenbarungswunder an sich tragen. Sie sind wie die anderer Religionen Zeichen und Beweise, nur mit dem Unterschiede, nicht zur Aherkennung der Wahrheit und Lehre, sondern nur der Person des Propheten und Abgesandten. Die hier hervortretende Wunderkraft ist eine in der Persönlichkeit ruhende, wie sie zuweilen auch bei Iiallucinationen, Exstasen und Visionen hervortritt, oder einzelnen Auserwählten innewohnt, welche durch die Genialität ihres Geistes und die Zaubermacht ihrer Eigenschaften Verborgenes ahnen und Grosses schaffen, die so aber bei den Propheten in wunderthätiger Weise sich kund gibt, oder als Begeisterung sich zeigt. An die Wundergabe der Propheten schliessen sich all' die Wunderbegebenheiten an, die aus ihrem persönlichen -Kreise heraustreten, und als wunderbare Wahrnehmungen und Vorgänge sich gestalten. Sie gehören zur Prophetengeschichte, die einer ganz anderartigen Betrachtung unterliegt, und nicht zu den Offenbarungswundern, die hier Gegenstand unserer Untersuchung waren, und sind wie die Gesichte, Vernehmungen, Uebertragungen, Enthüllungen und Verkündigungen Ausflüsse und Ergebnisse der innigen Verbindung und Vereinigung des Menschengeistes mit Gott, bei der der Mensch seine beschränkte Individualität aufgibt, sich ihm anschliesst, zu ihm erhebt und durch ihn wirkt, spricht, ahnt und schaut. Dahin sind auch aus dem Pentateuch zu zählen: die Erscheinung am brennenden Dornbüsche, die Wunderzeichen des Moses vor Pharao, die Erscheinung Gottes vor den Aeitesten, der blühende Levistab, der Tod der beiden Aronssöhne, die Weissagung des Eldad und Medad, die Strafe der Miriam, die redende Eselin etc. etc., die nur als prophetische Ergänzung der Offenbarungsgeschichte betrachtet, und in diesem Sinne im Pentateuch erzählt werden. Wir haben somit den ganzen Wunderkreis des Offenbarungsglauben« betrachtet. Es stellt sich durch ihn zur erfahrungs-