Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Aphorismen über die biblischen Offenbarungs-Wunder
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829332-2829337-2861995--09832-2862024- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Aphorismen über die biblischen Offenbarungs-Wunder. 135 Aphorismen Aber die biblischen Offenbarungs -Wunder. Von Dr. H. Hirschfeld. (Fortsetzung und Schluss.) Die Wunder, in solcher Art aufgefasst, nicht als Zeichen und Beweise, sondern als Thaten zur erfahrungsm'assigen Ver- Mittelung der geistigen und sittlichen Grundwahrheit und Lehre, sind an sich auch weder unglaublich noch unwahrscheinlich, sondern gerade nothwendig. Sie widersprechen nicht der All- Weisheit der Natur, stellen sich nicht als eine Verbesserung und Ergänzung des Schöpfungswerkes dar, als wollten sie darthun, dass dieses unvollkommen und unvollendet sei, sondern sind der Natur ganz adäquate Thaten Gottes, wie sie, von ihm in’s Leben gerufen, um im vollen Gegensätze zu ihr, mit ihr gemein- 8am die religiöse Entwickelung der Menschheit zu erzielen. Denn der wahre Gottesbegriff, wie die sittliche Freiheit, die beide im vollen Widerspruche zur constanten Ewigkeit und Nothwendigkeit der Natur stehen, können ja nur im Gegensätze zu ihr zur erfahrungsmässigen Erkenntniss gebracht und dargethan werden. Die Wunder sind danach die kundgehenden Thaten des freien, nach Zwecken handelnden und lehrenden Weltengeistes, wie das Selbstbewusstsein im Menschen sich in Thaten und Worten darstellt, die mit den Naturtrieben in keinerlei Verbindung stehen. Sie sind also in dem Weltenplane mit prädestinirt und bedingt, und mit Recht bemerken die Weisen, dass die Mittel, die Wunder zur Zeit zu verwirklichen, zugleich mit der Welt geschaffen worden sind. Zehn Dinge, sagen sie, es sind dies die Gebilde, an denen und durch die die Wunder sieh manifestiren, seien in der Zwischenzeit der Schopfung und ihrer Vollendung geschaffen worden. Sie wollen damit audeuten, dass die Schöpfung vollendet aus Gottes Hand hervorgegangen sei; denn auch die Wunder, die zur religiösen Entwickelung der Menschheit bei der Freiheit des Willens noth-