Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aphorismen über die biblischen Offenbarungs-Wunder
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 2)
- Language
- German
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Aphorismen verkündeten Wahrheiten und Lehren. Der Glaube an ihre Exlstenz wird vorausgesetzt und gefordert. Und in der That 116- Wahrheiten, beglaubigen und befestigen sie die Religionen, innerhalb deren und für die sie geschehen sein sollen, in einer unerschütterlichen Weise; denn das Wunderbare und Geheimnissvolle übt einen mächtigen Eindruck auf die Gemüther, und bannt sie gleichsam mit einem unauflöslichen Zauber, Je wunderbarer es ihnen entgegentritt, um so stärker fühlen sie sich davon ergriffen und angezogen. Allein für die Nichtbekenner solcher Religionen, die ausserhalb derselben stehen, gibt es fast nichts, das so geeignet ist, ihre Würde und ihr Ansehen zu untergraben, als eben die Wunder, die in ihnen erzählt und geglaubt werden. Denn man bestreitet a priori und a posteriori ihre Wahrheit, und beweist aus ihrem Ursprünge, ihrer Erscheinung, ihrer Bestimmung und ihrer Wirkung ihre Unglaublichkeit, Unwahrscheinlichkeit, Un- Vernünftigkeit und Zwecklosigkeit. Jeder denkende Mensch bricht daher den Stab über sie, und hat für sie höchstens ein mitleidiges Lächeln. Die Wunder sollen, ihrem Ursprünge nach, nicht von der Natur, sondern von einer höheren Gewalt, von Gott unmittelbar ausgehen, der doch aber auch zugleich die ewigen Gesetze der Natur bestimmt hat. Sie müssen also, als eine That Gottes, sein eigenes Werk entweder vernichten und stören, oder verbessern und ergänzen; was beides gleich unglaublich, und mit der Vollkommenheit und Allweisheit der Schöpfung unvereinbar ist. Waren sie im Laufe der Zeit nothwendig, so ist das Werk Gottes, das Weltenall, an sich unvollendet; waren sie aber nicht erforderlich, so ist gar nicht abzusehen, weshalb es gestört oder vernichtet werden sollte. Als Acte der Willkür und Laune sie einzureihen in den natürlichen Gang der Dinge, widerspricht vollends dem wahren Gottesbegriffe. Ihrer Erscheinung nach stehen sie im vollen Gegensätze zur natürlichen Anschauung und Wahrnehmung. Sie haben keine in der Natur begründete Ursache oder diese keine natürliche Wirkung. Der ordnungsmässige Zusammenhang aller Dinge, der natürliche Causalnexus wurzelt aber so tief im menschlichen Geiste, dass es ihm ganz unwahrscheinlich ist, dass da eine Abweichung oder Ausschreitung je stattgefunden habe, dass durch