Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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72 Receasioneii und Anzeigen. lieh wird ihr Gewicht gering. — Derselbe eben gerügte MangfeL lässt sich noch leichter im vierten Aufsatz תשליך nachweisen. In dieser Schilderung werden die Sünden fast nur vorgezählt, der Zusammenhang wird nicht geschickt und befriedigend in einander verwebt, und so spannend und anziehend die Er- Zahlung sich eröffnet, die weitere Durchführung ist völlig erlahmt, und wir bezeichnen sie als die schwächste, die ,wir in diesem Buche angetroffen. — Unvergleichlich glücklieber und wohlberathener ist der Verfasser in seinen Angriffen auf den Chassidismus. Mau sehe den fünften und besonders den dritten Aufsatz גלגול נסש; der letztere ist, einige Weitschweifigkeit und andere Mängel abgerechnet, der beste der Sammlung. Humor und Ton ist im Ganzen richtig getroffen, und der Spott, von welchem neben den Chassidim auch die Aerzte getroffen werden, heissend, wahr und tief. — Die Briefe bieten nichts, das besonders interessant wäre; auch von den übersetzten Gedichten ist’s besser zu schweigen, wie ja überhaupt dies ganze Genre der neuhebräischen Literatur fast gar keine bleibenden, reifen Früchte aufzuweisen hat; es wird meist dem Dichter und dem hebräischen Sprachgeist Gewalt angethan, ohne dass dabei der innere Gedanke gerettet wird, höchstens ein oberflachlieh glänzender Schein. Die Theorie der Opfer ist nur ein ganz allgemein gehaltener Umriss, aber sie gibt den Beweis, dass der Verfasser diese Lücke in der jüdischen Wissenschaft wohl gefühlt hat. Die ganze Opfertheorie, ein Punkt, welcher das ganze Alterthum aufklären würde, liegt noch immer brach und unbearbeitet nieder. Zu loben jedoch an diesem Buche ist die Gewandtheit und Fertigkeit, mit der die hebräische Sprache vom Verfasser gehandhabt wird. Er hat hinter den Schleier des hebräischen Sprachgenius geblickt und ihm sein Geheimniss abgelauscht; wie modern auch und dem Alterthum fremd der Gegenstand erscheint, der behandelt wird, immer wird er vom Geiste der hebräischen Sprache durchtränkt und durchzogen. Oefters wird der Stil von einem Mosaik aus Bibelstellen gebildet, welche aber so treffend und passend zusammengestellt sind, als hätten sie immer zusammengehört; das Bild des Gedankens erleidet hierdurch nicht den geringsten Abbruch, nirgends ist die Fuge zu erkennen, ganz und deutlich steht der Gedanke vor uns.