Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 15 (1866)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die religiöse Duldung nach der europäischen Völkertafel
- Date
- 1866-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Die religiöse Duldung nach der europäischen Völkertafel. (Vergl. voriges Heft.) י Wir haben die Rundschau über die verschiedenen Völker Europa’s gehalten, um ihr Verhältnis zur reiigiösen Duldung wahrzunehmen. Werfen wir nun den Blick nach innen. Hier bilden nicht Staat und Reich den Gegenstand der Betrachtung; der Jude besitzt nicht einen gegliederten Staat, und selbst der Schatten eines selbstständigen Reiches ist seit fast zwei Jahrtausenden geschwanden; die religiöse Duldung wird sich bei ihm also nach dem Typus des Volkes ausprägen, unter welchem er sich befindet, nach dem Bildungsgrade, den dieses erreicht hat. Aber es wirken noch andere Factoren mit, die uns hei dem Urtheile über Duldsamkeit oder Unduldsamkeit des Juden noch andere Gesichtspunkte als den seiner Umgebung in Erwägung zu ziehen gebieten. Fragen wir zuerst: Ist in seinem Glauben Ausschliesslichkeit bedingt? Die alte Welt hatte, wie wir früher bemerkt, Ausschliesslichkeit nach Stammverschiedenheit; wer von fremder Abkunft war, konnte nicht des Rechtes des Einheimischen theilhaftig werden; die mosaische Religion macht eine Ausnahme. Sie allein stellt den Satz auf: ״Der Fremde sei wie der Einheimische.“ Und nicht der Fremde nur, der sich dem Mosaismus in die Arme warf, sondern auch der nur die Befolgung des Vernunft- und Frankel, Monatsschrift. XV. 2. 4