Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 451 (sequence 11)
- Language
- German
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in Frankreich, Italien, dem Orient u. d. Nordküste Äfriba’s. 451 Sitten und Gewohnheiten der Bewohner des Himmlischen Reiches erklären konnten. Der Cardinal Mai, der berühmte Herausgeber der Palimpsesten, empfing Herrn C. ebenfalls mit seiner gewohnlichen Freundlichkeit; nichtsdestoweniger wollte er ihm dennoch nicht gestatten, auf der Bibliothek des Vati- ״can, deren Vorsteher Mal war, den Tracfcat Maamar Hajichud des Maimonides zu copiren. Da aber Herr C. den dringenden Wunsch hegte, eine Abschrift hiervon seinem Freunde Herrn Mur!k zu übersenden, so versuchte er durch eine kleine List dahin zu gelangen. Er überlas auf der Bibliothek mehreremal einige Seiten dieses kleinen Tractats und schrieb sie unmittelbar bei der Nachhausekunft aus dem Gedächtnisse nieder; dieses wiederholte er, bis der Tractat vollendet war und dem gelehrten Freunde übersandt werden konnte. — Und nun den traurigen Gang zum Ghetto. Ich werde den Eindruck nie vergessen, erzählt Herr C., den ich empfand, als ich über den grossen Platz des Ghetto ging und an dem Eingänge der Synagoge einen Stein erblickte, auf welchem sich die Worte des Psalmisten befanden: ״Vergesse ich dein, 0 Jerusalem! so vergesse meine Rechte!“ Hier spricht vom Steine der Streit und Kampf zwischen Jerusalem und Rom; allein trotz des schweren Armes, der seit so vielen Jahrhunderten auf den Juden lastet, trotz der Befehle, die von dieser an Befehlen gewohnten und darin geschickten Stadt ausgehen, gibt Jerusalem nicht nach: das Recht bewahrt seine Ansprüche, das Recht des Zuwartens und der Geduld, das, gäbe es auch keine andern Gründe, schon wegen der ausserordentliehen Ausdauer den Sieg verdient. — Die Juden wohnen in Rom seit Zweitausend Jahren. Cicero findet sie schon fest eingebürgert und bekämpft ihren Einfluss im Forum, wenn er als Advoeat ihnen auf seinem Wege begegnet. Philo, der sich an der Spitze einer jüdischen Gesandtschaft von Alexandrien nach Rom begab, stützt sich in seinen Beschwerden auf die wichtige römische Gemeinde. Der Aufenthalt unserer Glaubensgenossen in Rom ist also um mehrere Jahrhunderte älter als die Einführung des