Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africa's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 444 (sequence 4)
- Language
- German
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444 Rückblicke auf Zustände und Ereignisse der J uden dieselben Beamten. Im Jahre 1818 wird im Namen des Consistoriums und der Verwaltungen der beiden Tempel (rue du Chaume und rue Sainte Avoye) der berühmte Vorbeter Lewy angestellt, aber der Zustand der Gemeinde war so precär, dass man die Anstellung nur auf drei Jahre fixiren konnte. Nicht viel besser sah es mit den beiden Schulen, der Knaben- und der Mädchenschule aus. Jener stand bis zum Jahre 1827 der durch seine Taufe berüchtigte Brach vor; diese war zwar besseren Händen anvertraut, der Frau Meyermarx, die noch jetzt im vorgeschrittenen Alter mit einem jedes Lobes würdigen Eifer die jungen Schülerinnen überwacht, aber die würdige Lehrerin konnte nicht den Uebelständen abhelfen. Vom Jahre 1827 — 1832 fungirte M. Cahen als Lehrer an der Knabenschule, ihm folgte M. Trdves. Man erhält ein vollständiges Bild dieser Schulen, wenn man vernimmt, dass die Knabenschule sich in zwei Zimmern befand; und diese zweizimmerige Schule, die von 130—140 Knaben besucht wurde, leitete Trdves allein. Frau Meyermarx wurde zwar von einer Gehülfin unterstützt, die sie aber besolden musste. Die Mädchenschule befand sich in einem Hofe der rue de la Croix, in einem finstern, feuchten Raume. Im Jahre 1822 wurde eine allgemeine Synagoge (rue Nazareth) errichtet, in welcher die früher erwähnten zwei Synagogen aufgingen. Im Jahre 1827 gab Ritter v. Cologna seine Stelle als Oberrabbiner und Präsident des Central-Consistoriums auf und nahm die Rabbinerstelle zu Triest an. Er war durch zwanzig Jahre, seit dem Sanhedrin, bei allen Gelegenheiten das Organ der Israe- Ilten gewesen. Er allein vermochte sich, obschon Italiener, französisch auszudrücken, und war daher mit den Reden und Predigten betraut. Ein unwiderstehlicher Hang zog ihn nach seinem Geburtslande, wo er seine Tage beschliessen wollte. Das Beth-Din des Central-Consistoriums schrumpfte durch seinen Abgang auf den Rabbiner Deutz zusammen, der dieses Amt bis zum Jahre 1840 verwaltete. Die ersten Jahre nach der Julirevolution waren die