Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Rückblick auf Zustände und Ereignisse der Juden in Frankreich, Italien, dem Orient und der Nordküste Africas's während der letztvergangenen Decennien
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 402 (sequence 2)
- Language
- German
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4Ö2: E,ückblicke: auf Zaständö und Ereignisse• der Jaden gekehrt, und Du verlangst, mein theurer Söhn! dass ich die Resultate meiner verschiedenen Reisen unter eine gewisse Form zusammenfasse. Mündliche Mittheilungen, meinst Du, sind flüchtig und hinterlassen keine Spur, das Leben selbst ist kurz und. stellt an uns die dringende Forderung, uns zu sammeln und denen, die uns nachfolgen, die Resultate unserer Erfahrungen zurückzulassen, damit sie sich nicht in die Nothwendigkeit versetzt sehen, die mehr oder minder fruchtbaren Versuche ihrer Vorgänger von vorn beginnen zu müssen. Du hast Recht, und was ich bis jetzt, zurückgehalten von einer gewissen Schüchternheit, die lieber handelt und wirkt als spricht und schreibt, nicht gethan, will ich nun, dem Gefühle väterlicher Liebe nachgebend, versuchen. Ich werde ein wenig auch von mir sprechen müssen, denn ich sehe kein anderes Mittel wahrhaft zu sein und Wahrheit ist, wie die Lehrer sagen, ״das Siegel Gottes". Es gibt, überhaupt zwei Arten der Demuth: die eine beziehet Alles auf die Vorsehung zurück, siebet sich nur als Organ der Gottheit an und preist sich glücklich, das Mittel zur Ausführung einer Mission zu sein; die andere will nur die Thatsachen wiedergeben; spricht von sich in der dritten Person oder ganz ohne Eigennamen, Man muss Moses oder Cäsar sein, um sich diese Art Demuth zu gestatten." Herr Cohn erzählt nun manches Interessante aus seinen frühesten Erlebnissen, das zugleich einen Einblick in die vormärzlichen österreichischen Zustände gewährt. Gehören im Jahre 1814 zu Presburg in Ungarn, begab er sich im Alter von zwölf Jahren nach Wien, wo er von 1826 — 1834 das Gymnasium absolvirte und hierauf die Universität bezog, wo er den philosophischen Cursus beendigte. Nun galt es ein bestimmtes Fach zu ergreifen. Die Eltern wünschten, dass er sich dem medicinischen Studium widme; aber C. verspürte zur Medicin keine Lust und verliess, so oft er bei der Section einer Leiche gegenwärtig war, mit grösstem Widerwillen den anatomischen Saal. Er beschloss, sich dem orientalischen Studiuin su widmen. Es gab damals zu Wien eine orientalische Academie, aber kein Jude durfte dorthin den