Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Zur Geschichte der allegorischen Schriftauslegung
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 336 (sequence 2)
- Language
- German
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336 Zur G es chichte? der all egori schen Schrift auslegung.!) Wenn der Literalsinn im Widerspruche za den Sinneswahrnehmungen steht; oder 2) im Widerspruche gegen die Vernunft, wie z. B. die Stelle ״Gott ist ein zehrend Feuer“; 3) wenn durch den buchstäblichen Schriftsinn ein Widerspruch gegen eine andere Schriftstelle entstünde; oder endlich 4) ein Widerspruch gegen die traditionelle Erklärung. In ähnlichem Sinne wie hier Saadia spricht sich auch Ihn Esra wiederholentlich aus. Im Kommentar zu Exod. 13, 11: ״Es sei ein Zeichen an deiner Hand und zum Andenken zwisehen deinen Augen,“ welche Stelle von Samuel ben Meir — dem Manne, der sonst vorzüglich dem möglichst einfachen Schriftsinne (עומק פשוטו של מקרא) huldigt — bildlich aufgefasst wird'), bemerkt Ibn-Esra: ״Manche streiten gegen die Auslegung der Rabbinen und wollen diese Stelle symbolisch auffassen, *ähnlich dem Spruche Salomo'8 ״ein liebliches Angebinde seien sie deinem Kopfe“. Ebenso wollten sie das biblische Gebot ״schreibe sie an die Pfosten Deines Hauses“, ganz so wie den salomonisehen Sittenspruch ״schreibe sie auf die Tafel deines Herzens“, als blosse Allegorie betrachten. Allein derartige allegorische Auslegungen sind beim Pentateuch am ganz Unrechten Platze. Ein Anderes ist es freilich bei den Sprüchen Salomo’s, denn diese sind, wie schon der Name ״Sprüche“ zeigt, eben nur eine Sammlung von Gleichnissen und Allegorieen. Der Pentateuch dagegen ist niemals in bildlichem, sondern immer nur seinem einfachen Sinne nach zu fassen; es wäre denn, dass die buchstäbliche Auffassung dem natürlichen Verstände durchaus widerspräche, wie z. B. bei der Stelle: ״ihr sollt die Vorhaut eures Herzens beschneiden“. — Im Komment, zu Exod. 16, 28 modificirt jedoch Ibn-Esra diese Ansicht dahin, dass wohl jedenfalls eine jede Schriftstelle einen innern, esoterischen Sinn habe, nur müsse dabei zugleich auch der natürliche und einfache Wortsinn bei heb alten werden2). 1)Und es ist eigenthümlich, dass Raschbam diese bildliche Auffassung gerade als die ganz einfache Erklärung betrachtet, denn er sagt: לאות ע?־1 ירך ,לפי עומק פשוטו,יהיה לך לזכרון תמיר כאלו , .כתוב על ידך וטעם ותורותי ומצותי לשון רבים, כי כל המצות והתורות הם אמת בלי(־