Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Zur Geschichte der allegorischen Schriftauslegung
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829318-2829327-2861457--09343-2861494- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur Geschichte der allegorischen Schriftauslegung. 297 torische Figur sein, kann aber auch eine höhere philosophische oder metaphysische Tendenz haben. Als erstere Art ist sie in der heiligen Schrift sehr reichlich vertreten. Hat jedoch die Bibel auch Allegorieen der zweiten Art? Die im 1. und 10. Kapitel des Jecheskel enthaltene Beschreibung des göttlichen Thronwagens scheint schon in sehr alter Zeit als philosophische Allegorie aufgefasst worden zu sein '). Auch steht es über jeden Zweifel erhaben, dass die Bibel sehr häufig allegorische Reden anwendet, um das Unendliche und Unbegrenzte durch das Endliche und Begrenzte in Bildern darzustellen2), so dass Derjenige, der solche Allegorieen in ihrem Literalsinne auffassen wollte, das irrigste Schriftverständniss in sich aufnehmen müsste. Doch verfällt anderseits Derjenige, der auch da Allegorieen finden will, wo eben nur der buchstäbliche Wortsinn zu suchen ist, in irrige Bibelauffassung nicht minder bedeutender Art. Denn es werden dann nicht nur Erzählungen wirklicher Geschehnisse dem festen Boden der Wirklichkeit entrückt und in das luftige Gebiet der Allegorie und der 8ymbolik verpflanzt, sondern auch ausdrückliche Gesetze des Pentateuchs werden dann als blosse Metapher oder als Einkleidüngen philosophischer Ideen betrachtet. Die Ausschreitungen nach beiden Richtungen hin sind mithin gleich nachtheilvoll, und es weiss die Literatur des jüdischen Schriftthums von den beiderartigen Verirrungen genugsam zu erzählen. Als bei den jüdischen Alexandrinern, in Folge ihrer Vertiefung in die Bildung und Gelehrsamkeit der Griechen, der Wetteifer entstanden war, sich diesen so sehr bewunderten Griechen in jeder Beziehung ebenbürtig zu zeigen, suchte man nicht nur griechische Poesieen auf den Boden der Bibel hinüber zu pflanzen — wie man z. B., die Ilias nachdichtend, Dina zu einer He- Vgl. Mischna Chagiga II, 1. Eine Warnung gegen die buchstäbliche Auffassung der Anthropomorphismen enthält die Stelle (Tosefta Megiüa): המתרגם פסוק כצורתו הרי זה בדאי. 2)In Midrasch wird dies durch folgende Stelle ausgedrückt: גדול כחן של נביאים שהם מדמים צורה ליוצרה (Beresch. 7, cap. 27). Vergi. über diese Stelle More I, 46. Frankel, Monatsschrift. XIV. 8. 24