Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Magdeburg
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 75% known words query
- IRI
…/2829132-2829318-2829327-2861456--09338-2861491- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
294 Zur Geschichte der Juden in Magdeburg. wand einer Kirche das Bild einer Sau eingegraben. Eine grössere Composition befindet sich in Wittenberg. Ueber dem Bilde befindet sich die Inschrift: Rabini Schemhamphoras. Lu־ ther hat von dem Bilde eine Deutung und Beschreibung gegeben, die wir indessen besser nach der Uebersetzung geben, welche sich in der Schrift De Schemhainpiiorasch usu et abusu apud Judaeos Witeberg. 1596 befindet. Es heisst das. Est hie Witebergae ad teinpluni Parochiale porca saxo incisa, sub qua procumbentes* porcelli et Juda.ei sugunt: Post porcam est Rabinus quispiam, qui porcae pedem attollit dextrum, sinistra vero manu c au dam. illius elevat, et inclinato corpore, suinmo Studio sub caudam suis, in Thalmud prospectat, non aliter ac 81 quippiam eximii atque acuti cognoscere atque legere ibi constituisset. Ex 1110 procul dubio scrofae Thalmud habent liodierni Judaei mysteria sua Schemhamphorasch. Nam ante liaec tempora in bis regionibus quam plarimi habitarunt Judaei, hoc demonstränt nomina oppidulorum, vicorum, civium et rusticoruin, quae Hebraea sunt etiam mim hodie. Gonsentaneum igitur est vero, virum quempiam religiosuni fuisse, cujus consilio et suasu hoc Porcae simulacrum fuerit sculptum: qui impurissimorum Judaeorum hostis fuit. Ita eniin cousuevimus apud Germanos de illis qui sesquipedalia verba sonant, et turgidam sapientiam absgue re ostentant: Unde huie tanta 8apientia, ubi legit hanc, in Podice, sine verecundia satis rustice, scrofae. Soweit Luther. Das Bild sieht — sagt Schudt a. a. 0. II, 261 — nach der Strasse, so noch heute die Judengasse heisst. Ob die Strasse noch heute den Namen führt und das Bild sich noch an der Kirche befindet, kann ich nicht sagen. Ich lasse es dahingestellt, ob die Deutung Luther’s das Richtige treffe. Das angeführte Büchlein — das übrigens auch eine Abbildüng der Composition zeigt — will den Ursprung solcher Spottbilder auf Hadrian zurückleiten, der über ein Thor in Jerusalem ebenfalls das Bild einer Sau habe setzen lassen. Jedoch scheint eine Anzahl lateinischer Verse unter dem Bilde in Wittenberg auf die Deutung Luther’s hinzuweisen, insofern darin die Kabbala und die mystische Kraft des Schemhamphorasch lächerlich gemacht wird. Meinerseits möchte ich noch die Frage anregen, ob vielleicht die jüdisch-deutsche Bezeichnung für das Repetiren talmudischer Lectionen ״Ghasern" bei den Christen an Ghasir,