Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Magdeburg
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 283 (sequence 3)
- Language
- German
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v Zur Geschichte der Juden in Magdeburg. 283 Handelsangelegenheiten besass, unbedenklich, demselben, was die Anwesenheit von Juden betrifft, die Priorität zuzusprechen und es als die Mutterstadt anzusehen, von wo die Juden nach den übrigen Ortschaften dieser Provinz sich verbreitet haben. Sehr früh erscheinen die Jaden in Merseburg, Halle, Erfurt, bald auch in Aschersleben, Stendal, Wittenberg, Nordhausen und andern Orten, die insgesammt ein regsames jüdisches Leben entfaltet haben 6). Sie mögen auch wohl, wie vor Magdeburg, in besondern Ortschaften sich besetzt und diesen den Hamen gegeben haben: so wird schon im Jahre 1214 ein Judenberg im Kreise Bitterfeld erwähnt; noch jetzt gibt es ein Judendorf im Querfurter Kreise. Die Geschichte der Magdeburgischen Juden ist im Ganzen und Grossen, wie die mittelalterliche Geschichte der Juden überhaupt, eine Reihenfolge von seltenen Begünstigungen und häufigen Quälereien, von Schonung und Erpressung, Duldung und Verfolgung. Anfangs wird ihre Lage wohl eine behagliche gewesen sein: Judenverfolgungen waren noch nicht eine so beliebte Mode geworden und hier scheint überdies, in der ältesten Zeit wenigstens, die geschäftliche Bedeutung der Juden eine Spannung zwischen ihnen und den christlichen Einwohnern verhindert zu haben. So erblicken wir auch i. J. 1012 in dem Zuge der Leidtragenden, welche dem Leichenconducte des ausserhalb Magdeburgs verstorbenen Erzbischofs Walther entgegengingen, eine Menge Juden, die an der allgemeinen Trauer über diesen sehr gerühmten Kirchenfürsten Th eil nahmen 7). — Während der folgenden zwei 6) Bei Maliaril und R. Jakob Weil werden die Städte Erfurt, Nordh&usen und Halle selir oft erwähnt. Bei R. Moses Minz kommt auch Aschersleben vor. Der hiesigen Provinz entstammen bekanntlich Men allem (aus Merseburg) und Siisskind Alexander, Verf. des Agudda (aus Erfurt). Noch bei R. Moses Isserls (R. G. A. 86) wird Stendal (שטנד״יל) genannt. r) Chron. Magdeb. a,p. Meibom. II, p. 285: In aestimabili autem miseria et luctu plangente lämilia et praecipue orphanorum, quorum pater erat, tnrba, Judaeorum quoque quamvis infidelium 23*