Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Geschichte der Juden in Posen
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 11)
- Language
- German
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/ Geschichte der Jaden* in Posen. ,"2,15/ doch dürfen sie ihren Wohnsitz in eine andere Provinz nur mit Genehmigung des Ministers des Inneren verlegen. Die nicht naturalisirten Juden dürfen nur in den Städten wohnen, sind aber zur Gewinnung des städtischen Bürgerrechts nicht fähig, sie sind vom Handel mit kaufmän־ nischen Rechten, vom Hausirhandel ausgeschlossen, der Aufenthalt auf dem platten Lande ist ihnen nur unter gewissen Beschränkungen gestattet, die Annahme christlicher Gesellen, Lehrlinge und Dienstboten untersagt; Darlehnsgeschähe dürfen sie nur gegen gerichtlich aufgenommene Schuldurkunden abschliessen, und Schuldansprüche derselben für verkaufte berauschende Getränke haben keine rechtliche Gültigkeit. Und diese Verordnung mit ihren zahlreichen Klauseln und Beschränkungen wurde von den Posener Juden mit Jubel begrüsst und ein Exemplar derselben in Prachteinband auf einem Sammtkissen durch die illuminirte Judenstrasse Posens umhergetragen1'2)! Wie anderwärts, so hat auch in Posen das Jahr 1848 einen bedeutenden Umschwung und eine freiere Entfaltung der Gemeindeverhältnisse zu Wege gebracht, und ungeachtet mancher in den lokalen Verhältnissen ruhenden Schwierigkeiten, hat sich der Wohlstand, die Bildung und gesellschaftliche Stellung der Posener Juden in den letzten Jahren bedeutend 12) Als ein diese Periode charakterisirendes Aktenstück mag die Cabinetsordre, durch welche Friedrich Wilhelm III. eine der Posener jüdischen Waisen - Knaben ־ Anstalt von einem christlichen Menschenfreunde, dem Baron von Kottwitz, zugewandte Schenkung bestätigte, hier ihren Platz finden: ״Wenn gleich die Schenkung eines Kapitales von 5000 Rtlilrn., welche der Baron von Kottwitz zur Errichtung einer Waisenanstalt für arme liiilflose Judenkinder in Posen bestimmt bat, als Fundation ungewöhnlich ist, so will Ich doch dieselbe auf Ihren Bericht vom 27. v. M. genehmigen. Berlin, den 20. August 1836. An den Staatsminister von Rochow Friedrich Wilhelm.