Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Geschichte der Juden in Posen
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 4)
- Language
- German
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168 Geschichte der Juden in Posen. Es ging nämlich ein christlicher Knabe Matthias Casimir Jablonowicz, Sohn des Posener Bürgers Adalbert Jablonowicz, seinen Eltern plötzlich verloren und wurde erst nach einigen Wochen als Leiche bei dem Dorfe Görczyn gefanden. Der Pöbel lenkte seinen Verdacht ohne Weiteres auf die Juden und machte sich zu einem lieb erfüll auf das Juden viertel bereit. Der Magistrat vereitelte durch seine Massregeln die Wuthausbrüche der Volksjustiz und ordnete die Einleitung eines Blutprozesses an, welcher mit der jener Zeit eigenen barbarischen Prozedur geführt wurde. Da der bestimmte Urheber des Mordes nicht bezeichnet werden konnte, das Verbrechen vielmehr solldarisch der ganzen Judenschaft aufgebürdet wurde, so griff das Gericht die hervorragendsten Vertreter und Mitglieder der Gemeinde heraus: den Darschan Arj e Lö b b. Josef — der Rabbiner Jakob Mardochai b. Naftalihakolien war kurz vorher mit dem Tode abgegangen —׳, den Syndicus (Schtadlan) Jakob b. Pinchas und zwei Mitglieder der Gemeinde: Jizchak Eisik b. Josef und R. Hirz — der angesehene und allgemein beliebte Gemeindearzt R. Wolf Rofe, auf den es ebenfalls abgesehen war, hatte sich glücklicher Weise aus Posen entfernt — und liess dieselben am Rüsttage des Neujahrsfestes 5497 (1736) gefänglich einziehen. Als bei der Abführung der Gefangenen die geängsteten Juden schrieen und weinten, wandte sich der Darschan zu den Umherstehenden, erinnerte sie daran, dass sie des Morgens die Selicha von den ״zehn Märtyrern“ recitirt haben, erklärte sich fest entschlossen, für seine Religion den Tod zu erleiden, und sprach in der Befürchtung, dass sein Tod in den Gefängnissräumen in Abwesenheit jüdischer Zeugen erfolgen würde, mit lauter Stimme die Segensformel der Märtyrer: Gelobt seist Du, Gott, der Du heiligst Deinen Namen in zahlreicher Gemeinde! Es lebt hier im Munde des Volkes, dass die Gemeindevorsteher am Neujahrstage eigenhändig Briefe nach allen Richtungen schrieben, die 34 Häuser stark beschädigt wurden (28. Tammus 1736, GB. I, I; Luk. II, 380).