Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 2)
- Language
- German
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156 Recensionen und Anzeigen. College de France ein; die voränstehende Eröffnungsrede legt einen glänzenden Beweis von dem Reichthum des lebendigen Wissens des neuen academischen Lehrers ab; die Wahl des Unterrichtsministers Duruy ist eine glückliche gewesen. In Herrn Munk ist das Wissen lebendig oder, um richtiger zu sagen, er ist eine lebendige Quelle des Wissens. Des Augenlichts beraubt, schöpft er nicht aus Büchern, theilt nicht todte Gelehrsamkeit mit; seinem Munde entquillt vom Geist befruchtete und vom tiefsten selbstständigen Denken getragene Belehrung, er kann durch höhere Fügung sich nicht der gewöhnlichen Mittel zur Bereicherung des Wissens bedienen, aber ihm wurde die höhere Gabe zu 1heil, sich ihrer nicht bedienen zu bedürfen. Der genaue psychologische Einblick wird diese Gabe nicht in einem umfangreichen Gedächtnisse, sondern in der Tiefe des Denkens, in der tief eingehenden philosophischen Reflexion finden, die den Gegenstand nach seinem ganzen Umfange erfasst und ihm durch eine geistige Wiedergeburt neue Gestaltung gibt. Was so sich dem Geiste einprägt, ist nicht durch Wiedererinnerung, sondern durch Schaffen sein Eigenthum geworden, ist daher nicht todtes Wissen, sondern lebendige Erkenntniss. Nachdem der Redner seiner Vorgänger auf diesem Lehrstuhle ehrend gedacht, gehet er auf die Weise seiner künftigen Vorträge ein, die der Natur des Gegenstandes nach sich nicht auf das Grammatische allein beschränken können, sondern auch, die vergleichende Grammatik, Geographie, Geschichte, Archäologie nothwendig in ihren Bereich ziehen müssen. Nur die dogmatische oder theologische Exegese wird er ausschliessen, da, wie Kirchen- und Synagogenlehrer anerkennen, manche Stellen der Schrift, einen doppelten Sinn haben, einen einfachen, natürlichen, historischen und einen allegorischen, typischen oder dogmatischen; dieser Lehrstuhl, den der philologischen und historischen Studien gewidmetist, hat sich also nur mit dem einfachen und historischen Sinn zu befassen. Herr M. belegt diese doppelte Auffassung und dass man dem einfachen Sinne gerecht werden müsse, mit Citaten aus Hieronymus, Thomas d’Aquino und selbst aus dem Midrasch; auf einem deutschen Lehrstuhle dürfte eine solche Beweisführung ganz überflüssig erscheinen, allein man hat in Deutschland noch nicht einen Juden auf einen solchen Lehrstuhl berufen, und gerade in dem Munde eines jüdischen Öffentlichen