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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1865-01-01 · Heft 3 · p. Seite 113

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
14 (1865)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1865-01-01
Page
Seite 113 (sequence 2)
Language
German
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v׳7 ■־־ .s--׳׳ ך— Recensioneh und Anzeigen. 113 charakterisirenden strebsamen Geist ablegt. Diese Gesammtthätigkeit bildet die Geschichte der Juden, und sie spiegelt sich in jeder dieser Richtungen in grösseren und kleineren Reflexen ab. Nur Thätigkeit ist Object der Geschichte; ein Volk hat Geschichte, insofern es in die Geschicke anderer Völker eingreift, oder sein eigenes Geschick durch Staatseinrichtungen, durch seine Stellung den Nachbarvölkern gegenüber u. 8. w. bestimmt: Geschichte ist durch Politik bedingt. Ist aber ein Volk zu ohnmächtig, um wirkend einzugreifen, und beschränken sich seine Begebenheiten auf passiven Widerstand, so ist der Geschichte der Boden entzogen. Passivität vermag wohl durch die Grossartigkeit der Ausdauer unsere Bewunderung zu erregen; aber wie das einförmige Meer trotz seiner Erhabenheit nicht Gegenstand der Lyrik, so gehet der Passivität durch ihre Monotonie das Geschichte bildende Element ab: hier können nur Geschichten nicht Geschichte gegeben werden, Geschichten, die durch ihre nur mit kleinen Variationen düsteren Wiederholungen nicht spannen, sondern ermüden, nicht erfrischen, sondern ein peinigendes Gefühl zurücklassen. Nur auf Einem Gebiete thut sich in der langen Leidensreihe der Juden Thätigkeit kund: in ihren geistigen Bestrebungen, in der Literatur. Eine Geschichte, die diese beiden Seiten wiedergäbe, Leiden und Thätigkeit, geistige Thätigkeit trotz der unerhörtesten Leiden, würde durch diese Vereinigung ein eigentliches Geschichtsbild liefern, wir würden hier Geschehenes und Geschehendes, anhaltendes Ertragen und Wirksamkeit wahrnehmen: und als der eigentlichste Hintergrund dürften hier die Re8ponsen, an denen die jüdische Literatur sehr reich ist, zu bezeichnen seih. Es wurden von den hervorragenden Männern jeder Zeit, auf an sie ergangene Anfragen, gelehrte Bescheide, Responsen, ertheilt; in diesen Responsen legt sich häufig ein grosser Abschnitt der Zeitgeschichte dar, sowie sie andererseits von der Frische und Ungebrochenheit des Geistes zeugen. In welchem Lichte würden ferner viele Männer erscheinen, von denen die Geschieht- Schreibung, um doch auch das Moment der Thätigkeit in die Geschichte der Juden zu bringen, mehr äussere Verhältnisse, kleinliche Streitigkeiten hervorhebt, und das eigentliche Wirken dieser Männer, das ihnen die Achtung der Mit- und Nachwelt erworben und das Relief der Geschichte der Juden bildet, Franke 1, Monatsschrift. XIV. 3. 9

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