Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 14 (1865)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zwei Briefe aus Maimonides Correspondenz
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 6)
- Language
- German
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7A Analekten hoch über Deinen rage — allein es war ihr Weg ein Bedürfniss der Zeitenlage“. Dass jedoch nach der Lehre des Rabbinismus die Prophetie wirklich an eine gewisse Zeit gebunden sei, be ־ lehrt uns Maimonides’älterer Zeitgenosse, R. Abraham IbnDaud in seinem vorzüglichen Werke Emuna rama (Theil 2, Grundlage 5, Abschn. 1). Als Beleg führt er aus dem Talmud u. A. Folgendes an: Einst sassen die Weisen beisammen, da ging ein bath-Kol (eine himmlische Stimme) aus und rief: Unter euch ist ein Mann, der'8 verdient, dass auf ihm die Sehechina (Gottes Herrlichkeit) ruhe wie auf Mose, nur passt sein Zeitalter nicht dazu. Da richteten sie ihre Blicke auf Hillel den Greis." -- Auch stützt sich Ihn Daud auf Vers 1 in Samuel 1,3: ״Und das göttliche Wort war selten in jenen Tagen und kein Gesicht war verbreitet." Der Titel Kh’sil, mit welchem Joseph beehrt wird, führt zu einer Menge neckischer Anspielungen. Unter den calembourgartigen Neckereien ist eine höchst auffallend. Habakuk (Cap. 3, V. 41 sagt von Gott: ״Strahlen kommen ihm von seiner Hand." Diese Worte, umdeutend, warnt Maimonides den Gegner vor Verdächtigung der eigenen Frau, damit es nicht von ihm heisse: ״Hörner hat er von eigener Hand". Das hebräische Wort Karnajiin bedeutet nämlich sowohl Strahlen als Hörner. Bei allen Freiheiten des Musivstyls muss man erstaunen, dass ein Maimonides sich nicht scheut, Worte, die zu Gottes Verherrlichung gesagt worden, in eine missliebige Neckerei umzudeuten. Und wie soll man die Hörner hier verstehen? Bloss als etwas Stossendes, Verwundendes? Oder gar, wie man aus dem Zusammenhange schliessen sollte, als Merkmal eines betrogenen Ehemannes? Allein ist das nicht zu modern? In den christlichen Ländern, wo die cours d’amour im »Schwange waren, mag eine solche Bedeutung der Hörner sehr geläufig gewesen sein. Es fragt sich jedoch, wie ist sie in die maurisch-jüdische Literatur gekommen? Dr. S. C.