Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Neugestaltung des Rabbinenwesens und deren Einfluss auf die talmudische Wissenschaft im Mittelalter
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 386 (sequence 3)
- Language
- German
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386 Die Neugestaltung des Rab'binenwesens zit jenen kannibalischen Menschenhekatomben. Dies nachhaltige Ungemach drückte wie ein Alp .auf den Geist der deutschen Juden; es fehlte nicht allein an hervorragenden Lehrern, sondem überhaupt an der Lust, der Wissenschaft obzuliegen. Man kann die Mitte des 14. Jahrhunderts die Klimascheide auf dem Boden der Gesetzesforschung nennen. Die. Zeit des Druckes und des Elends hatte sich wie eine verdunkelnde Scheidewand zwischen die Vergangenheit und die Gegenwart eingeschoben; dort ragten noch Riesengestalten, schöpferische Geister, rings umgeben von rühriger Strebsamkeit, naturwüchsiger Geistesfrische; hier starrte eine ausgebrannte Einöde, deren magere Vegetation ein kümmerliches Dasein fristete; mitten iniie klaffte der Abgrund, in welchem neben unzähligen Leibern grosse Erinnerungen, mächtige Anregungen, triebkräftige Keime begraben lagen, und statt ein neues Leben, zu entfalten, veririoderten. Die Brücke des Geistes, welche die Zeiten verbindet, schien abgebrochen: der jüdischen Welt des ausgehenden 14. Jahrhunderts war unter dem Schrecken unausgesetzter Verfolgung das Verständnis8 der Geschichte und selbst der nächsten Vergangenheit entschwunden. So erklärt es sich, dass der Strom sprudelnden Geistesleb6ns, der noch vor 50 Jahren in breitem Bette floss, in dem Wüstensande dieser Zeit plötzlich versiegt; überall suchte man nach einein .Anhalte sieh aufzurichten, nirgends selbstbewusste Originalität, ureigenes Schaffen war eine Unmöglichkeit geworden, man begnügte sich mit dem Sammeln und dem handwe'rksmässigen Zusammentragen von Splittern und Resten, die man verehrte als Erinnerungszeichen an'eine Vergangenheit, mit weleher man innerlich wenig gemein hatte. So entstanden, als beinahe die einzigen Schriftdenkmale jener Zeit!, die Sammlungen der Minhagim und der Meinungen und Aussprüche berühmter Zeitgenossen.(״ ך Vergh Grätz, Geseh. d. Jud. Bd. VIII., S. 12, Anm. 1. Hier wären auch die verschiedenen □פסקי .= SammlungeE zu Gennen, wie die פסקים וכתבים des Isserlein and eine dieser ähnliche Sammlung W? ־ ־ welch# auf der Münchener Bibliothek, sich handschriftlich