Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1864-01-01 · Heft 8 · p. Seite 289

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
13 (1864)
Issue
Heft 8
Article
Geschichte der Juden in Posen
Date
1864-01-01
Page
Seite 289 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829304-2829313-2860659--08607-2860691
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Geschichte der Juden in Posen. 289 günstigsten Lichte erscheinen. Die spärlichen Vergünstigungen, deren sie sich erfreuen mochten, verdankten sie dem Umstande, dass ihnen zur Wohnung ein Stadttheil angewiesen wurde, der von der Gerichtsbarkeit des Ma~ gistrats und der Geistlichkeit unabhängig war und direct unter königlicher Jurisdiction oder unter der des königliehen Palatinos oder Wojwoden stand. Freilich konnten sie nicht für jede Unbill, die ihnen von Seiten der Geist« lichkeit, des Magistrates und des Strassenpöbels zugefügt wurde, die versagte Genugthuung erlangen, aber es gab doch einzelne Fälle, in denen die polnischen Könige energisch zu ihren Gunsten einschritten. Um Veranlassungen zu Volksaufläufeii und Excessen gegen die Juden waren die Posener Bürger nicht verlegen. Den günstig« sten Vorwand lieferten ihnen die im Juden viertel sich mehrmals wiederholenden Brände. Die Entstehung derselben ist sehr leicht zu erklären. Den Juden war nur eine genau bestimmte Anzahl von Häusern in der Tuchmacher- (jetzigen Juden-), Schuhmacher-. und einem Theile der Wronkerstrasse zugewiesen worden, und da ihnen eine der stets wachsenden Personenzahl entsprechenäe räumliche Erweiterung des Juden Viertels nicht gestattet wurde, so suchten sie dadurch die Beschränkung zu umgehen, dass sie ihre grösstentheils hölzernen Häuser mehrere Stock hoch auf bauten, um Raum für recht viele Familien zu gewinnen. Da so viele Familien auf einen engen Raum zusammengedrängt wurden, so lag die Gefahr einer Feuersbrunst sehr nahe, die noch dadurch erhöht wurde, dass sich die christlichen Bürger bei ähnliehen Gelegenheiten gewöhnlich unthätig verhielten und statt dem Umsichgreifen der Flammen zu wehren, die geängsteten Juden plünderten und mordeten. Im Jahre 1447 brach grade zur Zeit, als Casimir IV. in Posen weilte, Feuer auf der Judenstrasse aus (3. August), welches einen grossen Theil der Stadt und besonders die ganze Gerberstrasse einäscherte. Das aus Litthauern, Tartaren und Russen bestehende Gefolge des Königs benutzte die durch den Brand entstandene Unordnung, um in allen Theilen der Stadt nach Herzenslust zu plündern und zügellos zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.