Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Chronologische Zusammenstellung der Baudenkmäler Jerusalems
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2829132-2829304-2829309-2860361--08390-2860413- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
154 Analekten. rusalem, und so erhoben sich hauptsächlich auf und in der nachsten Nähe des Tempelplatzes die mannigfaltigen Specimina möreskischer Baukunst, deren Reste die ihnen in den mittelalterlieben arabischen Beschreibungen Jerusalems ertheilten Lobpreisungen vollkommen rechtfertigen. In diese Zeit fallen auch zwei ansehnliche Kirchenbauten, zu deren Aufführung die zumal kaubasischen Adelsgeschlechtern entsprossenen Mamelukenfürsten Egyptens gegen die Gesetze des Islam, nicht sowohl aus Duldüng, als aus Stamm freund schaft, den glaubenseifrigen Königen.. Georgiens ibre Sanction gegeben haben. Die eine ist die Jakobikirche des armenischen Patriarchats, welche sich in dominirender Lage über der höchsten Kuppe des Zion auf der Stelle erhebt, wo der jüngere Jakobus nach der Tradition den Märtyrertod erlitten hat; die andere liegt in einem der westlichen Tliäler ausserhalb Jerusalems, und ihr Hochaltar bezeichnet den Platz, wo die Gypresse gewachsen sein soll, aus welcher man das allerheiligste Kreuz zimmerte. Die Anlage dieser beiden Kirchen entspricht der Sophienkirche in Constantinopel. 9. Die Periode der Osmanen oder Türken. Suleiman I., Sohn und Nachfolger Selims, war der erste und letzte türkische Sultan, welcher zur baulichen Verschönerung Jerusalems beigetragen. Ihm verdankt die Stadt ihre stattlichen Mauern, mehrere ihrer reich und geschmackvoll verzierten Tliore, das schöne Portal des Haram Scherlf (Bab el Mehkcmeh) und verschiedene Fontainen in und ausserhalb der Stadt. Eine seiner Frauen, die geistreiche Sultanin G hur rem, welche unter dem ihr von europäischen Berichterstattern beigelegten Namen Roxelana so berühmt geworden ist, erbaute gleichzeitig das grossartige Arinenhaus el Tekijeh, welches die Mönchssage später zum Hospital der heiligen Helena stempelte. Dasselbe zeichnet sich durch zwei, in geschliffenem, verschiedenfarbigem Kalkstein mit eingelegten Arabesken ausgeführte Portale aus, welche in Form und Farbendisposition den egyptisch-moreskischen Geschmack verrathen. In den drei Jahrhunderten, welche dem Werke der Roxelana, folgten, hat Jerusalem nur elendes Gemäuer von Nützlichkeitsbauten sich erheben sehen, bis vor wenigen Jahren die ewig frische Blume germanischen Kunstsinnes, der gothische Styl, durch die vereinten Kräfte der beiden protestantischen Grossjnächte, in der Christuskirche auf dem Zion eingepflanzt