Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Nachricht] / Frankel, Zacharias
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nekrölögie. Einen arideren herben Verlust erlitt Berlin durch den Hin tritt des Dr. Moritz Veit, der, mit Sachs im Leben durch die innigste Freundschaft verbunden, demselben nach nur wenigen Tagen folgte. Veit, eine echt poetische Natur, zeichnete sich auf der anderen Seite durch eminente Bildung und tiefes Rechtsgefühl aus. In dem von ihm im Verein mit Heinrich Stieglitz und Karl Werder im Jahre 1830 herausgegebenen ״Berliner Musenalmanach" befinden sich von ihm manche treffliche poetisehe Beiträge, mehrere seiner Gedichte in den ״Stimmen vorn Jordan und Euphrat" von Dr. M. Sachs sprechen von seinem tiefen religiösen Gefühl. Das Vertrauen der israelitischen Gemein de berief ihn durch eine lange Reihe von Jahren zum Mitgliede des Gemeindevorstandes und später zum Vorsitzenden des Repräsentanten-Collegiums, Doch sein gediegenes Wissen, sein ehrenwerther Charakter, seine tiefe Auffassung und Beurtheilung der wichtigsten Tage8fragen fanden noch weit über den Kreis seiner Religionsgenossen hinaus Anerkennung, die sich in der Berufung zu den verschiedensten auf Vertrauen basirenden Aemtern aussprach. Er wurde in seiner Vaterstadt Berlin zum Stadtverordneten, sodann zum Stadtrath, und einige Jahre später wieder in das Collegium der Stadtverordneten gewählt, dessen stellvertretender Vorsteher er bis zu seinem Tode blieb. Im Jahre 1848 wurde er als einer der Vertreter Berlins in das Reichsparlament nach Frankfurt gesandt. Im Jahre 1851 bis 1853 war er Mitglied der preussischen ersten Kammer, im J. 1858—1861 sass er als Vertreter der Stadt Berlin im Abgeordnetenhause. Aber wie hoch je seine Stellung war, er vergass nie, für das Recht seiner Glaubensgenossen einzustehen und es mit der Macht und Kraft der Wahrheit zu vertheidigen. Seine Rede im Jahre 1851 gegen einen die Rechte der Juden beeinträchtigenden Antrag ist nicht minder durch Beredtsamkeit wie durch die in ihm sich manifestirende Ueberzeugungstreue und tiefen sittlichen Gehalt ausgezeichnet, und bewirkte den Uebergang zur Tagesordnung. Nicht weniger ehrenhaft stand er im Jahre 1861 den Ausfällen auf die Juden gegenüber und wehrte die verschiedensten Angriffe mit feiner Ironie ab. In den letzten Jahren richtete er seine besondere Aufmerksamkeit auf das jüd. Schulwesen zu Berlin, und wahrhaft erhebend war der Ausdruck seiner Freude, so oft er Gelegenheit fand, sich über das rüstige