Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 13 (1864)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Belagerung Hamburgs (1813 - 1814) in ihren Beziehungen zu den Israeliten
- Date
- 1864-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829304-2829307-2860195--08222-2860228- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
42 Die Belagerung Hamburgs (1813 -1814) völkerung zurück; sie stellten zahlreiche Freiwillige für den Kriegsdienst und boten in der Bürgergarde den feindliehen Kugeln trotz: ihr Herz blieb stets.bei den Deutschen. Ein grosser Theil der steuerfähigen Juden hatte die Stadt verlassen, die Geineindekasse leerte sich mit reissender Geschwindigkeit, und an Zwangsmittel zur Eintreibung der Rückstände war nicht zu denken. Das Geld ging so knapp ein, dass jede Woche zwei Drittheile der Einnahme zu Abschlagszahlungen an die Beamten und der Rest für die Armen ans talten ausgesetzt wurden. Schon hatten die Rabbinen auf Anfrage der Verwaltung erklärt, es sei unter obwaltenden Umständen religiös zulässig, das Synagogensilber zum Nutzen der Armen zu versetzen, aber wer hätte damals auf ein solches Pfand Geld leihen mögen? Dazu kam noch, dass die Hamburger Bank, worin die Gemeinde noch einen kleinen Rest• stehen hatte, sequestrirt und ausgeleert wurde. . Unter dem 22, Dec. 1813 überreichte die Verwaltung dem Grafen Chaban eine Petition des Inhalts, dass die Armen- und Krankenkasse der israelitischen Gemeinde eine Summe durch die Sequestration der Bank eingebüsst hätte, was gewiss nicht in der Absicht der französischen Regierung liege; man ersuche also den Grafen, die sequestrirte Summe herauszugeben. Auf diese Adresse versprach Chaban, sich beim Prinzen Eckmühl dafür zu verwenden. Es waren das traurige Tage für die Israeliten Hamburgs. Am 20. Dec. deutete der Grand-Prevöt Charlot den Mitgliedern der Verwaltung Namens des Prinzen an, dass diejenigen Israeliten, die nicht bis zum nächsten 1. Juli verproviantirt seien , die Stadt noch denselben Tag bis zwei Uhr verlassen müssten, widrigenfalls man sie mit Gewalt heraus treiben und ihr Vermögen confisciren werde. Am 23. Dec, verfügten sich die Mitglieder der Administration abermals zu Charlot, und zwar nach dem ausdriicklichen Verlangen desselben in Begleitung der zwei Rabbiner Jacob Meyer Jaffe und Zadok Fersen. Er machte sie, zu ihrem grossen Schrecken mit folgendem Schreiben des Prinzen Eckmühl bekannt: