Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Geschichte der Juden in der Stadt und Diöcese Speyer
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 424 (sequence 8)
- Language
- German
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424 Geschichte der Juden Burger zu empfangen101), über die vorgefallenen Ereignisse eine Untersuchung anstellte, wusste der Rath ihn nicht nur von seiner Schuldlosigkeit an dem Brande und der Ermordung der Juden, sondern auch von dem bedeutenden Schaden zu überzeugen, den die Stadt bei dieser Gelegenheit erlitten, so dass der König in einer Urkunde102) vom 29. ]März 1349 die Bürger von Speyer von aller Schuld freisprach und der Stadt zum Ersatze des Verlustes, den sie bei dem Brande der Judenwohmingen gehabt, die Trümmer, llofstiUte und den Boden derselben:, wie überhaupt sämmtliches Judengut, mochte dies in der Stadt oder in der Vorstadt gelegen sein, zum städtischen Gebrauche schenkte und zugleich verfügte, dass, wolern später sich wiede rum Juden in Speyer ansicdelu würden, dieselben den Bürgern mit Leib und Gut eigen sein sollen. Dem Bischof Gerhard, welchem, obwohl die Juden von ihm den Schutz des Iieidies durch schwere Summen erkauft hatten, die geschilderten Gräuelthaten zu verhindern, es entweder an Muth oder an Kraft gebrach, bestätigte der König am 1. April verschiedene Reichspfandsebaften, darunter die Juden zu Speyer, so wie die sämmtliehen übrigen, welche damals in allen anderen hochstiftlichen Burgen, Schlössern und Gerichten wohnten oder später darin wohnen würden, für 7000 Pfd. Heller103), woraus zu ersehen ist, dass schon zwei Monate nach der Judenvcrbrennung ־wiederum Israeliten in der Stadt wohnten, ohne dass sich bestimmen lässt, ob dieselben bereits früher ihren Wohnsitz in Speyer hatten und während der Katastrophe entkommen waren, oder ob sie Wind sh ei m (siehe HelTner, die Juden in Franken S. 8). — Frankfurt a./M. ist jedoch diesen Ortschaften nicht zuzuzählen, da die daseihst am 24. Juli 1349 stattgehabte Judenschlacht durch die Geisseibn'ider veranlasst war. Siehe Kriegk, Fraukf. Bürgerzwiste u. 8. w.s S. 423 und 545. Ob auch Münnerstadt wegen der Urkunde vorn G. März 1351, in meinen Regesten S. 131, Nr. 212 hierher zu rechnen sein dürfte, ist zweifelhaft. U>1) Siehe Lünig, Deutsches Reichsarchiv 14, 486. 102) Dieselbe ist abgedruckt in Lehman n’s Chronik S. 701 und in. Lilnig’s D. R. A. 14, 487. Eine gleiche Urkunde von demselben Tage erhielt auch Worms, welche neulich Wolf in seiner Schrift zur Geschichte der Juden in W. wiederum, leider aber sehr uncorrect, hat abdrücken lassen. »0») Siehe Itcmling, Urkundenbuch I, 570.