Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1863-01-01 · Heft 8 · p. Seite 317

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
12 (1863)
Issue
Heft 8
Article
[Rezension] / St.
Date
1863-01-01
Page
Seite 317 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
spine
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829290-2829299--07903-2859893
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Recensioncn und Anzeigen, 317 Verhältnisse in unserem Werke nur vorübergehend gegeisselt werden, so haben wir die Bezeichnungen ,,Zopferscheinung und!Missgestalt‘4 wohl nicht hierauf zu beziehen, sondern vielmehr auf das religiöse Leben der Vergangenheit. Ein längeres pldlosopli. Gespräch, in welchem bewiesen wird, das ,,Wissen“ stehe im Judenthunne über dem ,,Glauben,“ berechtigt uns zu der Annahme, dass wir die Missgestalten in den Anhängern des Glaubens, die Liehtgestalten in denen des Wissens zu suchen haben, umsomehr, da der Verfasser ungerechter Weise den grössten Schurken zum Verfechter des Glaubens macht. Wie ungerechtfertigt dieser Standpunkt ist, davon liefern die ״Zerrbilder44 des Werkes den besten Beweis. — ln erster Reihe stellt, unter denselben Simon Cohnberg, ein selbstsüchtiger, habgieriger Betrüger, der sich dadurch als Anhänger des Glaubens zu erkennen gibt, dass er einmal über einem alten Folianten sitzt, ein anderes Mal in die Synagoge geh 1t, was beides allerdings von manchen Leuten als Zopferscheimmg betrachtet wird; ist er jedoch deshalb ein Betrüger, weil er dem Glauben nicht völlig entfremdet, weil er nicht Anhänger des ,,Wissens“ ist? Doch lassen wir den Hauptverthekliger des Glaubens, den Candidaten Feldbach, an uns vor üb erziehen; vielleicht gewinnen wir durch ihn die Geberzeugung, dass der Glaube seines schädlichen Einflusses wegen selbst in unterhaltenden Schriften bekämpft werden müsse. Feldbach betrügt einen Freund, der ihm seine Dissertation geschrieben, um seine Stelle, einen anderen um seine Braut. Wir wollen vollständig davon absehen, dass, wie die neueste Zeit gelehrt hat, allgesagte Feinde des Glaubens zu ähnlichen liaridlangen befähigt sind: ist Feldbach wirklich ein Vertreter des ״Glaubens“ der Vergangenheit? Heuchelte früher ein Jude vor den Augen der Welt Frömmigkeit, während er, sobald er sich unbeobachtet glaubte, den heiligsten Geboten Hohn gesprochen hat? Mit einer solchen Auflassung der Vergangenheit können wir uns durchaus nicht einverstanden erklären und glauben, dass kein Leser von ״Buchenstein und Cohnberg,“ wenn er nicht schon zum Voraus die Ansicht des Herrn Verfassers theilt, durch das Lesen des Werkes zur Annahme derselben gebracht wird. Wenden wir uns nun zu den Repräsentanten der idealen Zukunft. — Von diesen sind einzelne Charaktere recht gut ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.