Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die Errichtung der hebr. Druckerei in Thiengen (in Schwaben)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 277 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829290-2829298-2859765--07840-2859822- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Analekten. Der Gebrauch von Waffen bei den Juden Lrn Mittelalter. Im diesjährigen Märzhefte dieser Monatsschrift S. 111 meint Kayserling, dass die Juden, eingedenk der Bibchvorto וחידים ירי עשו, sielt stets von der Kunst, den Kögen zu spanne», ferngehalten hätten. Diese Behauptung dürlte jedoch, so allgemein ausgesprochen, kaum zu billigen sei!]. Dass manche Juden im Mittelalter es versülinden, die Wallen zu führen, ist aus mehr als einer .Stelle zu ersehen, ln Spanien genossen die jüdischen Jünglinge sogar in der Fechtkunst Unterrieht, was von Alfouso XI. den Juden zum Vorwurle gemacht wurde, wie im Schevct Jehuda mitgetheilt wird. (Vgl. meine Ausgabe 1, 26 und 11, 5,1.) Aber auch in Deutschland wussten die Juden in geeigneten Fällen von den Wallen Gebrauch zu machen, und H,!dieser aus Worms erzählt im Uokeaeh § 1!>6. dass, a 1 s Wurms einst von einer grossen Truppcninaeht am Sabbat belagert wurde, er allen Juden gestattet habe, die Wallen zu ergreifen. Auch an Jagden ־nahmen die Juden zuweilen Antheil, woraus folgt, dass sie sieh der .Schusswaffen zu bedienen verstehen mussten. Bei den Kamp!'spielen zu Pferde, welche zuweilen bei Hochzeitsfeierlichkeiten von jungen Männern aufgeführt wurden, zerrissen letztere., wie Tosalbt zu Succa 45a s. v. 2ץך berichten, sieh oft in ihrer Ausgelassenheit mit den Wallen die Kleider und verwundeten einander die Pferde. Ja selbst von Duellen wird gehört. (Siche Zunz, zur Geschichte 173 f.) Mit dein Juden- Tournier, das nach II ec 11t (in Werl beim c Fs Jahrbuch III, 169) im Jahre 1081־ in Weissenfels stattgehabt haben soll, und bei welchem die Juden es sich hätten beikommen lassen, die ritterliehen Hpiele und Tourniere naebzuahmen, hat es zwar nicht viel auf sich; die Juden kehrten eben nur von einer Versa mmlung zurück, die sie 1386 in Weissemlcls gehalten hatten, als sie unterwegs von fanatischen Adligen geplündert und zum Th eil getödtet wurden, wie Zunz in der synag. Poesie 8. 44 richtig inittheilt. (Vgl. auch dessen zur Gesell. IS. 184). Allein es kommen auch in späteren Jahrhunderten immer noch!Tatsachen vor, welche den Beweis liefern, dass einzelne Juden sich als Stammgenossen der tapferen Makkabäer bewiesen und mit den Waffen gar wohl umzugehen wussten. 80 wurde im Jahre 1520, nachdem den Juden der Aufenthalt in Hildes heim längere Zeit untersagt gewesen war, von dem dortigen Rathe ein Jude, der