Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die Errichtung der hebr. Druckerei in Thiengen (in Schwaben)
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 2)
- Language
- German
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274 Anale kt en. liehe hebräische Druckwerke aus jüdischen Officinen hervorgingen und im jüdischen Interesse erschienen, doch an folgenden Orten hebräisch gedruckt: In Augsburg von 1514 ~ 1543, in Cöln von 1518-10111), in Constauz von 1543 — 1544, in Ilcddernheim 15KT, in lelienliausen 1544, in Isny von 1541—1542, in Leipzig von 1538—?, in!Mainz 1523, in Oels von ]530—1535, in Tnnnhausen 1504. in Thicngen 15(10, in Tübingen •1512, in Wittenberg von 1521—1587 und in Worms 1520a). Die Geschichte der jüdisehen Officinen aher muss, da sie nicht allein über den CuLtur- /!]stand einzelner Gemeinden, sondern auch häufig über d:ie Schicksale derselben Licht verbreitet, als ein nicht unwescntli־־ eher Theil der jüdischen Specialgeschichte hetrachtet werden* 3), und daher wird die folgende Mittlaeilung über die Verband hmgen, welche in Betreff der in Thicngen zu errichtenden hebräisehen Druckerei zwischen dem bischöllieh Constanzischcn Vogte und dem rardinalbischofc Mark Sittich stattfanden, wie ich hoffe, nicht ganz ohne Interesse sein. Bevor ich aber diese Verhandlungen selbst ׳ mittheile, mögen liier einige historische Notizen über die Juden in Thicngen einen Platz finden. Bereits im fünfzehnten Jahrhunderte waren Juden daselbst einheimisch und eines tüchtigen jüdischen Schützen, der zu Ende desselben dort lebte, gedachte noch unlängst Kayscriing in dem gegenwärtigen Jahrgänge dieser Monatsschrift S. 112. Um die Mitte des seehszehnten Jahrhunderts jedoch sollten die Juden aus Thiengcn vertrieben werden, wie aus einem Vergleiche zu ersehen ist, der im Jahre 1544 zwischen dem Grafen Johann Ludwig zu Sulz und der Stadt Th. zu Stande kam, und in welchem der erste Punkt lautet: nI)ie Juden wollen jre gnaden zu ehistcr gelegenhait abschaffen“4). Ob es zu dieser Vertreibung gekommen oder ob dieser Punkt des Vergleiches unausgeführt geblieben ist, vermag ich nicht mit Bestimmtheit anzugeben. Gewiss ist aber, dass zwei Jahre später wiederum Juden daselbst wohnten, denn am 14. April 1546 bekennen die beiden Juden Jacob und Menlin, dass sic mit gnädiger Bewilligung der gräflich sulzischen Vormünder durch Vogt, Baumeister und Käthe der Stadt Thicngen auf sechs Jahre wie andere Juden Siehe daselbst S. 92 ff. 3J Vgl, Zunz zur Geschichte 6. 249. Mo^e Zeitschr. 1862, 472.