Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Dr. Gabriel Riesser
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 3)
- Language
- German
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I)r. Gabriel ßicsscr. 217 hen und solches Bekenntniss laut abzulegen. Wir erinnern an Professor Lassaulx, der auf einem der späteren Landtage zu München offen aussprach, er habe bisher stets gegen die Einancipation der Juden gestimmt, doch seit er Riesser kennen gelernt, sei er von seiner früheren Ansicht über Juden zurilckgekoinmen und werde von nun an auf der Seite Jener stehen, die im Juden den ebenbärtigen Sohn des Vaterlandes erkennen. Doch wenden wir uns nun zu Riesser, dem begeistcrten Vorkämpfer des Rechts der Juden. Wir können, durch den Raum gedrängt, seine Lebensgeschichte nur kurz berühren, und wollen versuchen, sein Seelenleben, seinen Seelenadel, wie er sich in seinen Schriften abdrückt, in einigen Auszügen aus diesen Schriften wiederzugeben. Gabriel Riesser wurde in Hamburg 180(5 geboren. Er erhielt eine sorgfältige Erziehung und bezog nach zurückgelegtem Gymnasium die Universität zu Kiel, später Heidelberg. Welche Gedanken in dem Geiste des jungen Mannes wogten, wie er frühzeitig von dem seinen Glaubensgenossen zugefügten Unrecht ergriffen war, wie er schon in seinen Studienjahren sich mit den! Gedanken trug, an den tausendjährigen Fesseln mit Macht zu rütteln und sie mit den gewichtigen Waffen des gotlbcgeisterten Rechts zu sprengen, bekundete seine zu Anfänge des Jahres 1831 erschienene Schrift ״Ueber die Stellung der Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutschland.“ Der 24jäl1rige junge Mann warf hier den deutschen Staatea und Kammern den Fehdehandschuh hin, trat mit Argumeiiten auf, die seine Ebenbürtigkeit erkennen Hessen• ״Die Intoleranz unserer Tage, beginnt er, verhalt sieh zum Religionseifer des Mittelalters, wie sieh die Lüge zum Glauben, wie sich eiskalter Holm zur wannen Verehrung verhält. Es gab Jahrhunderte, wo die Menschen in dem Glauben an die alleinseligmacliende Kraft der Religion, in der sie geboren, so durchaus versunken waren, dass sie ohne eine totale Vernichtung ihres moralischen Seins nicht aus dieser Sphäre heraustreten und den fremden Glauben nicht begreifen, vielweniger anerkennen konnten. Damals aber war neben dem glühenden Hasse eine glühende Liebe und ein unüberwindlicher Muth•— Werfen Frankel, Monataaclirifl. XII. 6. |7