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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1863-01-01 · Heft 3 · p. Seite 94

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
12 (1863)
Issue
Heft 3
Article
Zur Geschichte der Einwanderungen der Juden in Nord-Amerika
Date
1863-01-01
Page
Seite 94 (sequence 3)
Language
German
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Zur Gesc}lichte der Einwanderungen IM zen zu werden, die gern zwiefache Steuern für das Beste dieser Provinzen beitragen wollen, wenn sie nur die Erlaubniss erlialten, auf ihre Kosten Colonien anzulegen, Ackerbau, Handel, Künste und Wissenschaften treiben zu dürfen, Glauben wir nicht an denselben Gott, an den die Quäker glauben; kann unsere Aufnahme gefährlicher und bedenklicher seiti, als die der Quäker? Gesetzt, dass 2000 Familien von 1111s sieb in einer Wüste von Amerika niederlassen und sie zu einem fruchtbaren Lande machten: würden die alten Einwohner der Provinzen darunter leiden? Lassen Sie uns, gnädiger Herr Präsident, Bedingungen vorschreiben, unter denen Sie uns aufnehmen wollen. Wir werden überlegen, ob wir sic annehmen und halten können.“ Ohne Zweifel wurden von dem Congrcsse Bedingungen gestellt, welche die deutschen Juden umsomehr ohne Bedenken annehmen konnten, als in Deutschland in jenen Zeiten noch ausserordentlich trübe Zustände walteten, Zustände, welche in manchen Gegenden des deutschen Vaterlandes selbst in unserer Zeit noch anzutreüen sind. Unser Verfasser verstand cs, ein recht treues Bild dieser Verhältnisse dem Präsidenten des Congresscs in lebendigen Farben zu entwerfen. ״Sie würden, hochgebietender Herr Präsident, über die Uiwcrdrossenheit eines deutschen Juden erstaunen,“ heisst es an einer Stelle des Schreibens, ״wenn Sic Zeuge davon wären. Ein grosser, ja vielleicht der grösste Tliell von ihnen, bringt sein Leben fast immer auf der Landstrasse zu, um dem Kleinhandel nachzugehen, und der Handelnde verzehrt für seine Person weiter nichts dabei, als täglich einen Häring und ein Kreuzerbrot; seinen Trunk muss ihm der erste Bach oder der nächste Brunnen geben. Alles was er sonst erwirbt, hebt er gewissenhaft auf, um es am Freitage mit nach ILaus zu bringen und Weib und Kindern Nahrung und Kleider zu verschallen. Geher die anderthalb Tage, die er dann im Schosse seiner Familie bei etwas besserer Kost zu• bringt, vergisst er das elende Leben, welches er den nächsten Sonntag wieder anzufangen genöthig.t ist. Und wollen Sie wohl glauben, dass selbst dieser Elende, der allen seinen Witz anstrengen muss, um ein Capital von fünfzig fl. fast eben so vielmal im Jahre umzusetzen, wenn er mit seiner Familie davon leben will, dennoch von anderen Juden nicht selten beneidet

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