Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der Einwanderungen der Juden in Nord-Amerika
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829290-2829294-2859423--07541-2859474- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
der Juden in Nord-Amerika. 93 tenden Ncw-York eine Zufluchtsstätte suchten, darf als ausgemacht angenommen werden. Weniger bestimmt ist die früheste Einwanderung der dcutsehen Juden air/ugcbon. Sie nahm jedenfalls früher ihren Anfang, als man gemeinhin glaubt. Raum war die pensylvaTiische Verfassungs-Urkunde vom :28. September 1776 und der in derselben ausgesprochene Grundsatz״ :־Kein Mensch, welcher das Dasein eines Gottes erkennt, kann irgend eines bürgerlichen Rechtes gesetzlich beraubt oder in Rücksicht auf seine Religionsgesinnung gekränkt werden," in Deutschland bekannt worden, so stieg in dem einen oder anderen Juden, müde des mittclaltcrlichen Druckes und der Zurücksetzung, welche wie eine schwere Last ihren Nacken beugte, mich schon der Gedanke auf, in den amerikanischen Freistaaten ihr Asyl zu gründen. Man schritt alsbald zur Ausführung dieses Planes, Ein dcutscher Jude, dessen Name und llcimatsort leider nicht angegehon sind, richtete, vermuthlich im Aufträge einer grosseren Menge von Glaubensgenossen, an den Präsidenten des (1ongresses der vereinigten Staaten von Amerika zu Anfänge der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein Schreiben*), aus dem zur Genüge hervorgeht, dass eine Anzahl deutscher Juden die Absicht, hatten, sich in Amerika anzusiedeln und anzuhauen. ,,Mit grosser Tlieilnelimung," heisst es am Schlüsse dieses in mehr als einer Beziehung beachtenswerthon Schreibens, ״haben viele von uns aus dem, von den liochmogcndcn amerikanischen Staaten mit England geschlossenen Frieden, ersehen, dass ihnen darin grosse Strecken Landes ein geräumt worden, die so gut als gar nicht bewohnt sind. Es kann noch mehr als ein Jahrhundert vergehen, ehe die Einwohner der dreizehn vereinigten Provinzen sich so sehr vermehren, dass sie’nur dasjenige Land, welches diese Provinzen an sich schon bcsassen, in dem Grade zu bevölkern und zu bebauen im Stande sein sollten. Ihre Ileligion kann ihnen nicht verbieten, uns diese Wüsten zum Anbau zu überlassen: auch dulden Sie ja schon Juden unter sich. Ob die Politik Ihnen solches untersagen könne» weiss Sch nicht. Indess haben Sie die gesetzgebende Macht in Hunden. und wir verlangen weiter nichts, als Unterthanen der dreizehn Provin- ״) Deutsches Museum, Juni 1783.