Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 12 (1863)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Jüdische Dramen der Gegenwart [Rezension]
- Date
- 1863-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
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Jüdische Dramen $2 punkt hat und keineswegs die Ausstrahlung irgend eines fremden, draussen stehenden Elementes ist. Trägt man nun aber einen bestimmten Zweck, eine Tendenz, wie man sagt, von aussen in die Poesie hinein, so zerklüftet man muthwillig den Boden, •in welchem allein eine echte Dichtung Wurzel schlagen kann. Denn die Kunst erheischt von ihrem Arbeiter, dass er sich mit liebevoller Hingebung und •Selbstlosigkeit in seinen Stoff versenke, ganz und voll in ihm aufgehe. Die Tendenzdichtung aber kennt ein solches unbewusstes, wir möchten sagen naives Schaffen nicht; es fehlt ihr an plastischer Ruhe, Einfachheil und Selbstgenügsamkeit, sie geht immer in der!Maske einher und tritt mit der Forderung an uns heran; Erkennet mich,־ entziffert., rathet! Unwillkürlich fühlt sich das reinere, edlere Gemiitli, der unverdorbene ästhetische Sinn verletzt, und bäumt sich unwillig in uns empor, wenn wir sehen, wie die!Muse, wohl oder übeL den Kriegsmantel umwerlen und Speer und Schild ergreifen muss, um in die ScliUicbtreihen zu eilen. Wenn wir mm liier auch der jüdischen Teiidenzdichtung ihre Berechtigung absprechen müssen und näher auszuführen gedenken, wie besonders auch die jüdischen Dramen dieser Art ohne Halt und Boden sind, so suchen wir nur das Recht der Kritik zu wahren. Wir sitzen hier ja nicht über den guten Willen und die reine Absicht, die diesen Dichtungen zu Grunde liegen, sondern über ihren ästhetischen Werth, ihre Lebensfähigkeit, und Probeluiltigkcit zu Gerichte. Denn einem jüdischen Tendenzdrama hat die Kritik, wenn sic offen und ehrlich sein will, nicht allein die Lanze entgegenzuhalten, mit der sic auf eine jede andere Tendenzdichtung einstürmt, — wir werden zu zeigen versuchen, dass gerade dem Dichtcr, der hier thätig sein will, noch ganz besondere Hin* dernisse und Ausbisse von vornherein den rechten Weg verbauen. Treten wir nur einmal musternd an diese Dichtungen heran, so stellen sich uns, hier offener, dort versteckter, gewisse Grundfehler und Schäden zu Tage, an denen sie, bald mehr, bald minder, alle kranken.