Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Philosophie der Juden
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 468 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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468 D,ie Philosophie der Juden. Bisweilen beschränkt sich sein Traumgesicht auf Bilder; aber auf der höheren Stufe hört er Stimmen. Bald erschallen diese Stimmen, ohne dass er weiss, wie; bald sieht er die Person, die mit ihm spricht; aber wer ist dieser geheimnissvolle Sprecher? Es ist der Reihe nach ein einfacher Sterblicher, ein Engel, und endlich, wie der eingeschlafene Prophet glaubt, Gott selbst. Auf einer noch höheren Stufe ist der Prophet wach. Nicht im Traume erblickt er dann die Zukunft, sondern in einem Gesichte. Das Gesicht steht über dem Traume, wie der Traum über der einfachen Begeisterung. In dem Gesichte selbst gibt es wiederum Stufen. Der Prophet erreicht den höchsten Grad derselben, wenn er einen Engel sieht und seine Stimme deutlich hört; aber ist es nicht möglich, dass ein Prophet-noch Höheres erreiche, dass er in einer Erscheinung die Ueberzeugung erlangt, dass Gott selbst mit ihm rede? Nein, antwortet Maimonides mit einer Kaltblütigkeit, die mit einiger Ironie gemischt scheint, nein, ״die Stärke der Einbildungskraft kann so weit nicht gehen“ 1). Durch diese Worte wie durch den ganzen Inhalt des Buches ist klar, dass trotz der aufrichtigsten Anstrengungen Maimonides’ zwischen den beiden Bedingungen der prophetischen Inspiration das Gleichgewicht aufrecht zu halten, dennoch in seinen Augen die Stärke der Einbildungskraft die ־vorzüglichste Bedingung, das Charakteristik sehe Geschenk des Propheten ist. Darauf stützt sich seine ganze Theorie. So kommt denn keine Prophetie, keine Offenbarung anders als im Traume oder in einem Gesichte vor. ״Nur Moses, sagt Maimonides, hat Offenbarungen gehabt im. ') Daselbst p. EI, p. 333 f. (M. will durch seine Theorie der• Propliefcie den Menschen zu Gott erheben und der Annahme Vorbeugen, dass Gott zum Menschen herabsteige. Wie sich aber der Mensch erhebe, zu. Gott kann er, selbst vermöge des Intelleetus agens, nicht gelangen; die ׳ Einbildungskraft vermittelt die klare Anschauung, Gott, der absolute Verstand, ist aber nicht Object der Einhildangskraft. So liegt in diesen Worten keine Ironie, so wie M.’s Theorie keineswegs dem Wesen der Prophetie Abbruch thun will. F.)