Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 311 (sequence 27)
- Language
- German
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Dr. Bernhard Beer. 311 eine Schädlichkeit dieser Massregel hat sich nirgends gezeigt. Ebenso wenig in denjenigen Ländern, wo sie nicht völlig emancipirt sind, aber doch mehr Rechte gemessen als in Sachsen . . . 'Wenden wir nun nach diesen allgemeinen Betrachtungen unsere Blicke auf die hiesige jüdische Gemeinde, so sehen wir seit ungefähr zehn Jahren, als ihr das erste ständische Fürwort zu Th eil ward, ein unverkennbares Streben nach dem Bessern und Höhern. Ihr Cultus, der eine zeitgemässe Reform erhalten hat, zeichnet sich durch Ordnung aus und stehet, sowie ihre allgemein gerühmte Schule, unter der Leitung eines wardigenund geachteten Oberrabbiners; ausgezeichnete Aerzte und Gelehrte befinden sich in der Gemeinde, zwei Mitglieder derselben nehmen an der städtischen Armenversorgung Th eil; ein unter dem Namen Mendelssohn’s gestifteter Verein stellt sich zur Aufgabe, die Bekenner der mosaischen Religion den Gewerben, Künsten und Wissenschäften zuzuführen und sie in sittlicher Hinsicht zu veredeln. Dieses Streben aber kann nur von Erfolg sein, wenn es von der christlichen Bevölkerung und vom Staate unterstützt, und nicht durch Ausnahmegesetze und Be- Schränkungen erdrückt wird.“ — Die Verhandlungen zeig ten jedoch so viele divergirende Ansichten, dass man be׳־ schloss, ״der Erwägung der Staatsregierung anheim zu geben, in wieweit die in der Vorstellung der israelitischen Gemeinde zu Dresden ausgesprochenen Bitten und Wünsehe zu berücksichtigen sein dürften.“ Günstiger zeigte sich, wie gewöhnlich, das Cultusministeriurn den Jaden. Auf kräftige Befürwortung des Cul־ tusministers v. Winters heim bewilligte die zweite Kamraer 200 Thal er jährlichen Beitrag zur Erhaltung der israelitischen Gemeindeschule zu Dresden*). Es wurden also von nun ab jährlich 400 Thaler aus Staatsmitteln zum jüd. Cultus und der Schule beigesteuert, ein im Verhält- *) Der Minister v. Winterslieim erklärte im Jahre 1846 in der zweiten Kammer: ״er kenne ln Sachsen keine Gemeinde von 700—800 Seelen, welche so viel für den Cultus und die ׳Verbesserung־ des Unterrichts leiste, als die israelitische Gemeinde zu Dresden.“