Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Rezension] / W-ll-
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 278 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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278 Recensionen und Anzeigen. Er setzt sich auf das Ross der Weitschweifigkeit Und reitet in das Land der Langweiligkeit. Das Zuviel des Guten unterdrückt oft das Bessere, so auch in vorliegendem Werke. Für die unbestreitbarsten Satze und einfachsten und geläufigsten Ansichten werden oft drei, vier Sprüche der Weisen und Dichter angeführt, die nur sehr unmerklich von einander verschieden sind. Dann gehört es zu den oft wiederkehrenden Erscheinungen, dass ein bereits des Breiteren. ausgeführter Gedanke schliesslich abgekürzt, aber ganz in denselben Bildern und Pointen wie in der früheren Ausführung, als Spruch eines Weisen nochmals zum Besten gegeben wird. Freilich trifft dies nicht den Uebersetzer, aber Referent glaubt, es würde dem ganzen Werke nicht nur nicht Eintrag gethan, im Gegentheil Nutzen gebracht haben, wenn gerade in der Auslassung lästiger und ermüdender Wiederholungen der Herr Uebersetzer von der Freiheit Gebrauch gemacht hätte, die er sich in der Ausschmückung tmd Amplificirung mancher Stellen mit Recht genommen hat. Die geschickte Handhabung der Sprache zeigt sich überall; leicht und fliessend verläuft das ganze Werk, ja wir möchten sagen zu fliessend, zu gleichmässig. Denn das Aufgeben der Makamenform ist kein glücklicher Griff. Das Springende, Abwechselnde, Pikante, U eherrasch ende dieser poetisch-prosaischen Redeweise gefällt immer, spannt das Interesse, dem Abbruch geschieht durch die Regelmässigkeit und Formrichtigkeit wirklicher Verse. Diese veranlassen oft zum Einschieben von störenden Flickwörtern, zum Gebrauch von Nothreimen, die nicht selten wiederum zu Unschicklichkeiten des Ausdrucks und Anordnung ungebräuchlicher Ausdrücke und Bilder führen. So zwingt 8. 85 der Reim auf: schäume, zu dem Gebrauch des Ausdrucks: dass Gott es verträume. 128. Zum Händedruck reicht einer den Arm — um zu reimen auf: arm. 137. Gestrahle wallen — durch die Hallen. 163. Schätze umflufchen — die Guten. 165. Um auf die Dau'r zu bauen — gibt freilich einen Reim auf ״trauenaber zur Stelle keinen Sinn. Verstösse gegen die Gesetze des Reimes kommen zu oft vor, nicht blos in der einfachen Erzählung und Rede, sondern auch in strophisch gegliederten und sorgfältiger gebauten Gedichten, als dass wir nicht auf manchen Verstoss aufmerksam zu machen für Pflicht halten müssten. Stilistische Unebenheiten sind nicht