Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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138 Dr. Bernhard Beer. zwar von 228 Stimmen gegen 168 verworfen, aber schon ist eine nahe Wiederholung derselben im Unterhause verkündigt, und Alles lässt hoffen, dass der Erfolg dieser Bill auch die letzte Unbilligkeit gegen diesen Theil der Staatsbärger ausgleichen wird*). Wie achtungsvoll man in der Hauptstadt des Reichs von ihnen denkt, zeigt unter andem der Umstand, dass nach jener, durch eine höchst interessante Discussion merkwürdigen Sitzung, der Gemeinderath von London aus freiem Antriebe sämmtlichen dort sesshaften Juden das volle Stadtbürgerrecht zum Geschenke machte.“ M. H., wenn die Moralität der Juden sich so schlecht bewährt hätte, so würde der Gemeinderath in dem freiesten Lande der Welt ihnen nicht aus freien Stücken das Stadtbürgerrecht ertheilt haben. — Ich gehe auf den Hauptgrund gegen die Emancipation über, die Juden würden, so sie emancipirt, sogleich allen Handel und Gewerbe an sich reissen und die Christen unterdrücken. Es ist schon bemerkt worden, dass man den Juden ein zu grosses Cömpliment mit dieser Befürchtung macht. Eine kleine Anzahl von achthundert Mensehen, Weiber und Kinder mit eingerechnet, sollten fähig sein, das intelligente und gewerbfleissige Sachsen zu Grunde zu richten? Ich will nicht die Gründe wiederholen, die gegen diese Ansicht sprechen, sondern ich will Thatsachen Vorbringen und Ihnen eine Stelle aus dem Briefe des Staatskanzlers von Hardenberg vorlesen, welcher an den Senat zu Lübeck gerichtet ist. Der Brief ist vom 10. Juli 1815 datirt und im Auszuge folgenden Inhalts: ״Der Unterzeichnete hat mit grossem Bedauern aus dem Berichte des Grafen von Grothe ersehen, dass die demselben auf, getragene Verwendung zu Gunsten der jüdischen Einwohner der Stadt Lübeck bisher noch ohne Erfolg geblieben ist. — Preussen hat durch seine Gesetzgebung dem übrigen Deutschland das Beispiel gegeben und ist in der vollständigen Ueberzeugung vorangegangen, dass, um die besorgten Kachtheile von der Aufnahme der jüdischen Religionspartei zweckmässig und am sichersten zu entfernen, *)■׳Wie bekannt, sitzen nun Juden im׳ engl. Unterhause. D. H.