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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1862-01-01 · Heft 3 · p. Seite 100

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
11 (1862)
Issue
Heft 3
Article
Dr. Bernhard Beer
Date
1862-01-01
Page
Seite 100 (sequence 20)
Language
German
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100 Ilr. Bernhard Beer. schiiesse mich nicht blos der Schlussfölge an, sondern auch daran, dass man die Frage über die Emancipation. der Juden nicht an die Frage über ihre moralische Yerbesserung knüpfe. Man kann nicht verlangen, dass sie sich moralisch bessern, bis nicht ihre bürgerliche Stellung verbessert ist. Wenn ich. der Ansicht der Deputation vollkommen beitrete und nicht billige, dass man ihnen die Verlegung der Sabbatfeier zur Pflicht mache, so erlaube ich mir in Beziehung auf die Beschränkungen, welche in Antrag gekommen sind, einige Bemerkungen. Was die• erste Bedingung betrifft, so ist nicht zu läugnen, dass man den Juden, indem man ihr bürgerliches Fortkommen erleichtert, auch für ihre moralische Ausbildung etwas leisten muss; nur einen Gesichtspunkt erlaube ich mir anzudeuten, ich glaube nämlich, dass man dabei nicht nur Alles zu vermeiden hat, was eine Beschränkung der Ge- Wissensfreiheit involvirt, sondern dass man auch nicht die Absicht verfolgen darf, durch neue Einrichtungen die Jugend für ihren Glauben gleichgültig zu machen; denn Leute ohne Glauben sind die gefährlichsten Mitglieder der Gesellschaft. Dagegen würde ich gegen alle Beschränküng sein, welche auf ihr bürgerliches Fortkommen wirken könnte; denn ich glaube, man muss die Juden in den Stand setzen, sich ein ehrliches Fortkommen zu verschaffen, ehe man ihnen bürgerliche Pflichten auferlegen kann." . In sehr wohlwollendem Geiste sprach auch der Superintendent Dr. Grossmann aus Leipzig; er meinte, ״er müsste keinen Sinn für Recht und Humanität haben, wenn er sich nicht dem Gutachten der Deputation an- Schlösse.“ Er sucht diesem durch mehrere historische Anführungen noch mehr Begründung zu verschaffen; doch schillert bei ihm eine gewisse Bekehrungssacht durch, er will, dass der Staat eine Assimilation durch Aufgehen der Juden herbeiführe, wozu gemischte Ehen als geeignetes Mittel empfohlen werden. —- Hoch andere Redner spra- Chen nicht nur für den Bericht, sondern wollten, dass noch weiter zu Gunsten der Juden vorgeschritten. Ein trauriges Loos war dem königlichen Commissar zugefallen; er hatte die Sache der Regierung zu vertheiäigen,

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