Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
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86 1)1׳. Bernhard Beer. sie sich aus den Schriften des Saädia Gaon, Cosri, Maimonides, J. Alba und der• angesehensten Rabbinen des Mittelalters entwickelt, unsere eben dargelegte Ansicht bekräftigen. Jeder Israelit ist nämlich verpflichtet, folgende 1) ewige Wahrheiten mit der festesten Ueberzeugung anzunehmen; als a) Dasein eines einzigen Gottes, welcher die ewige Liebe ist, die allervollkommensten Eigenschaften besitzt, dem das Weltall seine Entstehung verdankt und der unter keinerlei Gestalt oder Menschenhülle vorgestellt werden kann; b) moralische Willensfreiheit des Menschen; c) Fortdauer der menschlichen Seele nach dem Tode, in einem zukünftigen Leben, wo die Tugendhaften aller Nationen belohnt und die Lasterhaften bestraft werden. — 2) Nachstehende Geschichtswahrheiten mit der innigsten Zuversicht zu glauben, als a) der Allgütige hat mit Abraham, Isaak und Jakob einen Bund geschlossen, die Erkenntniss der ob ged achten ewigen Wahrheiten bei ihren Nachkommen zu erhalten, und hat in Folge dieser Verheissung b) die Israeliten auf ausserordentliche Weise aus Egypten befreiet und ihnen alsdann auf dem Berge. Sinai die in den fünf Büchern Mosis enthaltenen Gebote und Verbote, nebst den durch mündliche Ueberlieferung fortgepflanzten Erläuterungen, als unabänderliche Richtschnur für die Gemeinde Jakobs feierlichst geoffenbart. So wie jene Verheissung wird daher auch einst c) die in der heiligen Schrift verkündete bessere Zukunft ein treten, wo jede Leidenschaft verstummen, aller Religionshass aufhören und die ganze Menschheit so veredelt sein wird, dass sie den Schöpfer in Wahrheit und Liebe anbeten. — 3) Die geoffenbarten Gebote und Verbote auf’s sorgfältigste auszuüben; sie werden eingetheilt in a) Pflichten gegen Gott, deren Grundlage der Vers enthält: ״Liebe den Ewigen, deinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und ganzem. Vermögen!“ (Deuter. 6, 5); b) Pflichten gegen Menschen, deren Haupt- Inhalt in den Versen ausgesprochen ist: ״Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ (Lev. 19, 18); ״Der Herr ist Allen wohlthätig, erbarmt sich all seiner Geschöpfe“ (Ps. 145, 9). Aus letzterem Verse thut Maimonides (Abadim 9,8)