Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 11 (1862)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Dr. Bernhard Beer
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 8)
- Language
- German
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48 Dr. Bernhard Beer. Anderen zu erweitern hoffen durfte. Ihm schwebte schon damals sein hohes Lebensziel vor, ״die geistige und sittliche Vervollkommnung seiner Glaubensbrüder nach Kräften zu bewirken“*); er machte den ersten Versuch an Altersgenossen, denen von aussen der Weg zur Bildung verschlossen war, sie sollten an der Hand gediegener Werke zum Nachdenken über die höheren Wahrheiten der Religion, wie über den Werth und die Bestimmung des Menschen angeregt werden. Wir lassen den Verewigten selbst spreeben. ״Vom Jahre 1824 bis 1829 bestand zu Dresden ein Verein mehrerer, grösstentheils jüngerer Israeliten zu dem Zwecke, die vorzüglicheren Werke der hebräischen Literatur und — nächst den schwereren biblischen Büehern — hauptsächlich die von den zahlreichen gelehrten Israeliten des Mittelalters, besonders in Spanien, Südfrankreich und Italien verfassten Schriften über Religionsphilosophie, biblische Exegese u. s. w., deren Inhalt durch tiefe und richtige Auffassung der religiösen und philosophischen Wahrheiten, sowie durch eine lautere, allem Mysticismus abholde Sittenlehre, sich auszeichnet, in freundschaftlichem Kreise gegenseitig belehrend durchzugehen. Alles streng Systematische war von diesen wissenschaftlichen Abend- Unterhaltungen entfernt; der Vortragende konnte nach jedem Satze durch Fragen oder Einwürfe lernbegieriger Zuhörer unterbrochen werden, schwierige Stellen wurden zuweilen durch Parallelstellen verglichen oder durch Hin- Weisungen auf andere, sowohl gleichzeitige als spätere Schriften, die einem ähnlichen Ideengange zu folgen seineneu, erläutert und verständlich gemacht, welches die Aufmerksamkeit der Anwesenden auf das Gesammtgebiet der reichhaltigen jüdischen Literatur hinzulenken und zu deren gründlichen Erforschung zu ermuntern beabsichtigte. Die Worte des Schriftstellers, den man vorgenommen hatte, waren gleichsam nur Text, woran die mannigfaltigsten Gegenstände aus dem Kreise menschlicher Erkenntniss und Bestrebung, in zwar ungebundener aber stets beleb- *) Seine Worte an. Prof. Krug. Vgl. Imre josclier, Religiös-moralische Studien von Bernhard Beer. Leipzig 1833.