Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Marocco
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 409 (sequence 9)
- Language
- German
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Zur Geschichte der .Juden in Marocco. 409 Nach dieser kurzen Episode wenden wir uns der Ge- ■genwart wieder zu; wir wollen noch einer jüdischen Hochzeit, in 'Marocco. beiwohnen. Die Hochzeitsfeierlichkeiten währen bei. den afrikanisehen Juden sieben Tage und bieten immer einen und denselben theatralischen Anblick, mit dem blossen Unterschiede, dass, die Reichen bei dieser Gelegenheit ihren vollen Luxus entfalten. . ■ . Wir treten ■in den Petio, den inneren Hofraum des Hatises, in welchem die Braut wohnt, und finden eine durch Schreien und Toben ihre Freude kuridgebende Menge. In einem Winkel hat das Orchester Platz genommen; vier. Musikanten erfreuen die Gesellschaft durch Nationalgesänge, und mit welcher Glut! Ihre Augen rollen unter ihren gefalteten Stirnen, und sie scheinen mit Ungestüm den Tönen zu folgen, welche in den weiten Raum verhallen. Unter ihnen macht sich •ein dicker, grün-und roth gekleideter Mann bemerkbbar; es ist das der •Fürst der Musikbande, ein Muselmann, ein unvergleichlicher Künstler, dessen Vater vor dem Sultan gespielt, und den man zu jedem Feste bittet, das. der Pascha gibt. Gegen ein gutes Honorar hat er sich• herabgelassen, die jüdische Hochzeit mit seiner Gegenwart zu beehren und die ־ Gäste durch einige Stücke aus seinem Repertorium zu erfreuen. Die besten Teppiche sind ihm unterbreitet, die köstlichsten Erfrischungen werden ihm gereicht. Mit Begeisterung trägt er .seine Gesänge vor, er schwebt in höheren Regionen, sein zurückgeworfener Kopf und seine blitzenden Augen scheinen der bewundernden Menge zu sagen: Die Schätze meiner göttlichen Kunst verschwende ich nicht für Euch. . . Um den Hofraum herum haben, die Freundinnen der Braut Platz genommen, alle in die prächtigsten Gewänder, in Sammt und Seide, gekleidet. Ihr Kopfputz funkelt von Diamanten,׳ Rubinen und Smaragden, kostbare Ohrgehänge fallen auf ihre Schultern, kurz, die blendende Pracht der alten Orientalen entfaltet sich hier. Jede der anwesenden Frauen betritt den Mittelpunkt des aufmerk-