Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 10
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 395 (sequence 2)
- Language
- German
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Iieccnsionen und Anzeigen. 395 und über das gewöhnliche Niveau eines Jahrbuches sich erbel)enden Werth aufmerksam machen. Der erste Aufsatz ״Rückblicke auf das verflossene Jahr, von Joseph Wertheiuier“ bringt ein Stück Geschichte, das durch die Begeisterung gehoben wird, mit welcher der neueste Umschwung in den Verhältnissen Israels den Verfasser erfüllt. Er hatte in seiner Darstellung der ״Verhältnisse der Juden in Oesterreich“ und in manchen Aufsätzen der früheren Jahrgänge über das Schicksal seiner Glaubensgenossen getrauert: nun erhebt sich sein Herz und ,,stimmt laut jubelnd in den Hymnus Exod. 15, 9. 10 ein." ,,Wurde die Sprachenverwirrung entsandt — fährt er fort uni den Babelbau zu stören, so lassen jetzt die verschieden Redenden die gleiche Sprache der Gerechtigkeit und Humanität zum Aufbaue der Staaten ertönen. Und Israel, der Stein, den die Bauleute verwarfen, den sie mit Ingrimm und Verachtung von sich stiessen, ist hier und dort Bau- und Eckstein geworden" (S. 2). Es wird nun über die politischen und socialen Zustände der Juden in fast allen Staaten berichtet; am ausführlichsten verweilt der Verfasser bei Oesterreich, wo die Verhältnisse der Juden eine Umgestaltung gewonnen, die die kühnsten Erwartungen übersteigt. Und man muss mit Bedauern gestehen, dass wie Preussen auf so manchem Gebiete liberaler Institutionen von dem aus seiner Asche zu neuem Leben sich erhebenden Oesterreich überklügelt wird, so bleibt es auch hinter ihm in der Gesetzgebung der Juden zurück. Mancher die Gleichberechtigung aller Gonfessionen aus sprechende Paragraph der Verfassung will nicht in Erfüllung gehen, mancher verrottete Paragraph der früheren Gesetzgebung will nicht aus sch ei den, und wenn der Verf. 8. 9 klagt ״über den Beibehalt der onerösen Eidesformel, während die in Preussen ähnlich zeitgeinäss vereinfacht wurde," so muss entgegnet werden, dass Preussen auch hier gerade nicht Lorbeeren zu suchen hat: wendet doch der Vaterlandsfreund das Gesicht beschämt ab von der in Preussen üblichen gerichtlichen Eidesleistung der Juden und den hierüber auf dem diesjährigen preuss. Landtage gepflogenen Verhandlungen. — Der Aufsatz deckt der Wahrheit getreu auch manche innere und äussere Gebrechen auf. Sehr interessant ist, was über Galizien gesagt wird: nur dürfte dem Mangel an guten Schulen nicht Indilferentisnius, sondern ein ihm ganz entgegengesetztes Motiv zu