Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 334 (sequence 2)
- Language
- German
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384 Lewi ben Gcrson (Gersonides) desto mehr Organe zur Behütung und Beschützung dieser Wesen nehmen wir wahr. Die nächst höhere Thiergattung' heispielsweise ist als Gattung gewissermassen mehr von der Providenz berücksichtigt als die nächst niedere. Innerhalb einer und derselben Thiergattung aber gibt es keine solche Unterschiede der Individuen, erhebt sich keines so sehr durch Vollkommenheit über das andere, dass es als ein Individuum höherer Gattung erscheint. Nur der Mensch ist so perfectibel, dass man innerhalb der Menschengattung unterscheiden' muss zwischen Menschen, die durch Denkthätigkeit und sittliches Verhalten fast zur Stufe reiner Geister sich erheben, und denen, die gewissermassen nur bei ihrer Gattungsnatur bleiben. Wenn nun der Grad der providentieilen Fürsorge so zu sagen von der Nähe oder Ferne abhängt, in welcher ein Geschöpf zu dem allgemeinen Geiste und dadurch zu Gott steht, so ist klar, dass der zu seiner Bestimmung gekommene Mensch durch seinen Zusammenhang mit dem allgemeinen Geiste sich einen höheren Grad von providentieller Fürsorge und somit eine specielle Providenz erringt.. Freilich äussert sich diese besondere Art der Providenz nicht darin, dass dem so aus seiner Gattungsnatur getretenen Menschen neue körperliche Organe wachsen, aber wir können doch die Art angeben, wie sie sich äussert. Sie besteht in erhöhter Erkenntniss des bevorstehenden sowohl Guten als Bösen. Je nach der innigeren oder weniger innigen Verbindung mit dem allgemeinen Geiste erfährt der Mensch dunkler oder bewusster das ihm nach der Constellation bevorstehende Gute oder Böse, das er dann vermöge seiner Freiheit erstreben oder meiden kann. So erklären sich alle Stufen des Vorherwissens von den dunkeln Ahnungen und Strebungen, die ihn zum Erreichen eines Guten oder Vermeiden eines Schlimmen treiben, bis zum deutlichen Wissen der Prophetie. Es bleibt aber noch die bestimmtere Lösung des Widerspruches, welcher obzuwalten scheint, zwischen der Annahme einer solchen individuellen Annäherung an den allgemeinen Geist und der Behauptung, dass der allgemeine Geist die Individuen als Individuen nicht kennt. Diese Lösung glaubt aber Gersonides bereits in der von uns skizzirten Abhandlung über die Prophetie gegeben zu haben. Dort war nämlich gezeigt worden, dass, wenn auch der allgemeine Geist den Einzelnen als Einzelnen nicht