Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 312 (sequence 16)
- Language
- German
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312 Lewi ben Gerson (Gersonides) als Religionsphilosoph. lasse, ist von Maimoni nicht sowohl gelöst als abgeschnitten worden durch seine Behauptung, Gottes Wissen sei, als vollständig von dein unsrigen verschieden, unfassbar. Dem Gersoniden freilich bietet sein Standpunkt eine andere aber schwerlieh befriedigendere Lösung. Auch er geht, wie bereits bemerkt, davon aus,, dass Gottes Wissen kein von den Dingen abgeleitetes, sondern ein Wissen seiner selbst sei. Dieses Wissen seiner selbst enthüllt ihm die gesammte von ihm ausgehende Ordnung der Welt. Zu dieser Ordnung der Welt gehört aber, auch die Natur des blos Möglichen und die Thatsache der menschlichen Freiheit. Wenn wir demnach Gott Allwissenheit nach der Seite hin zuschreiben, nach welcher alles in einem nothwendigen Causalnexus steht, zugleich mit dem Wissen, dass die Freiheit des Menschen gewissen aus der Naturordnung folgenden Schiltknngen und Bestimmungen entgegentreten kann, so schreiben wir ihm das Wissen der Ordnung, wie sie ist, zu, des Nothwendigen als eines Nothwendigen, des Möglichen als eines Mögliehen. Das heisse aber nicht, von Gottes Wissen etwas detrahiren, wenn wir von ihm sagen, er wisse vom Möglichen nur, dass es möglich sei. Denn die Sachen wissen, wie sie sind, heisse eben, sie richtig wissen. Auch ist es kein Mangel, wenn wir von Gott sagen, dass er die Einzeldinge als solche nicht erkenne, da er ja das, was an den Einzeldingen Reelles, also Gutes und Wissbares ist, erkennt, nämlich aus sich, als der a-1-!einigen Ursache aller Realität. Wir übergehen die weitläufigen Nachweise des GersonidenJ dass nach dieser Ansicht alle aufgeworfenen Fragen wegfallen, zugleich auch, dass dieselben in keinem Widerspruche mit den Ansichten der Schrift stehen, um zu der Abhandlung üb er zugehen, die mit der Frage über das Wissen Gottes auf’s Engste zusammenhängt und diese erst zu einer religiös-praktischen macht, nämlich zu der Abhandlung über die Providenz. (Fortsetzung folgt.)