Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 10 (1861)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Randbemerkungen zu Pinsker's Likkute Kadmoniot
- Date
- 1861-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 1)
- Language
- German
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176 Randbemerkungen zu Pinsker’s Likkute Kadmoniot, Randbemerkungen zu Pinsker’s Likkute Kadmoniot. Von Dr. A. Schmie dl, Rabbiner zu Prossnitz. ״Wenn die Könige bauen, haben die K'arrner• zu.thun,“ hatte Schiller satirisch im Hinblick auf das grosse Heer, von Auslegern, Nachtretern und Nachbetern des Königsberger Philosophen •gesagt. Und in der Tliat mussten die damaligen oft komisehen Bestrebungen, fast Alles, was man dachte, schrieb und sprach, in die von Kant aufgestellten philosophischen und logisehen Formen zu giessen und ihnen ängstlich anzupassen, bei- nahe lächerlich erscheinen1). Andererseits aber ist es ganz in der Natur begründet, dass, wenn geniale Männer mit bedeutenden, an Originalgedanken und Materien reichen Werken an die 0Öffentlichkeit treten, viele Denker dadurch angeregt sich fühlen, das gegebene Material weiter zu'benutzen, auf die gewonnenen neuen wissenschaftlieben Resultate fortzubauen, Consequenzen daraus zu ziehen, Licht über manches bisher dunkel Gewesene dadurch zu verbreiten, neue Hypothesen aufzustellen, sowie frühere zu berichtigen. ־. ' Wir zweifeln nicht, dass alles dies auch mit Pinsker’s in vielfacher •Beziehung so hervorragendem Buche der Fall sein werde. Es sind wenige Tage, seit der Schreiber dieses im Besitze dieses Buches sich befindet. Bei der Anziehungskraft, die dasselbe auf jeden denkenden Leser ausüben muss, haben wir es mit stets wachsendem Interesse rasch bis an’s Ende gelesen, um dann mit grösserer und prüfender Gründlichkeit wieder von vorne zu beginnen; haben aber bei dieser ersten flüchtigen Durchlesung all’ jene Stellen, die uns zum Weiterdenken anregl) Selbst manche neuere, der kantischen Schule ergebene.Denker können sich von derartigen Bestrebungen noch immer nicht ganz 108sagen. ■So lasen wir erst jüngst von einem berühmten christl. Theologen, Friedrich Ernst Ziegler (״Das Fundamentum Dividendi der Predigt,“ Dresden 1851), der es als Conditio sine qua non einer guten Kanzelrede aufstellt, dieselbe nach den kantischen vier Kategorieen (Quantität, Qualität, Relation und Modalität) zu disponiren. — Im Mitteialter ward dieselbe Spielerei mit den aristotelischen zehn Kategorieen getrieben. Wollte ”doch selbst Saadia die Zehngebote damit in Verbindung setzen. (S. hierüber Dukes, Kachal kedumim S. 3.)